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Warum Allrad?
Feuerwehrfahrzeuge werden seit vielen Jahrzehnten auch in Allradausführungen gebaut.
Vorteile von Allradantrieben:
- Bessere Traktion bei glatten Straßenverhältnissen bzw. schmierigem Untergrund
- Höhere Bodenfreiheit (d.h. automatisch bei sonst gleichem Fahrzeug auch größere Watfähigkeit)
Nachteile von Allradantrieben:
- Höherer Schwerpunkt (bei sonst gleichem Aufbau)
- Höhere Ein- und Ausstiege
- Größere Entnahmehöhen
- Teurer in Anschaffung und Unterhaltung
- grösserer Wendekreis
- weniger Gewichtsreserve (beim LF16/12 ca.400kg)
Bestimmte Einsatzlagen machen es aber u.U. erforderlich, mit
Allradfahrzeugen zu fahren, weil sonst keine Chance auf ein Durchkommen
besteht.
Neben großen, oft länderübergreifenden flächigen Naturkatastrophen wie
z.B. die Hamburger Sturmflut (1962), die Schneekatastrophe von
Niedersachsen (1975), die Waldbrände von Niedersachsen (1975) und
Sachsen (1992) sowie die Flutereignisse an Oder (1997) und Elbe (2002)
gibt es immer wieder auch regional eher begrenzte Lagen, die
Allradantrieb erforderlich machen.
Das Zugunglück von Eschede (1998) erforderte - obwohl es unmittelbar in
Ortsnähe an einer Straße geschah - für viele Einsatzfahrzeuge ein
Befahren von Feldwegen bzw. unbefestigten Feldern oder Wiesen.
Glücklicherweise war der Boden trocken.
Die Notlandung einer mit zahlreichen Passagieren besetzten Fokker 70
der AUA erfolgte abseits befestigter Straßen in einem (glücklicherweise
gefrorenen) Feld bei Erding. Die Einsatzfahrzeuge mit Straßenantrieb
(v.a. die Rettungswagen) fuhren sich mehrfach fest und banden dadurch
weitere Kräfte.
Auszug aus der Passauer Neuen Presse vom 3.2.05:
„Erhebliche Schneeverwehungen gab es dabei auf den Kreisstraßen PAN 20
Hebertsfelden - Grasensee, PAN 31 Langeneck - Wurmannsquick sowie PAN
29 und 30 von Unterdietfurt nach Geratskirchen. Bei Obermaisbach
stießen dann
selbst die großen Räumgeräte mit ihren erfahrenen Besatzungen fast an ihre
Grenzen: Schneeverwehungen bis zu 1,20 Meter Höhe wurden dort gemessen.
»Obermaisbach war zeitweilig vom Schnee richtig
eingeschlossen«,berichtet Reinhold Zeitlhofer. Gegen 5 Uhr früh war
aber auch diese Strecke
wieder befahrbar.“
Allrad ist also durchaus ein strategisches Thema für die
Fahrzeugplanung bzw. -beschaffung, auch wenn man ihn nur für einen
Bruchteil der Einsatzfälle wirklich braucht und er oft schlicht
„lästig“ ist.
Eine mögliche Lösung des Konfliktes zwischen seltenem Bedarf und dem
Regeleinsatz ist das Vorhalten von Fahrzeugen beider Kategorie in
ausreichender Leistungsfähigkeit, also z.B. die Löschfahrzeuge der BF
mit Straßenantrieben und die der FF mit Allradantrieb. Dies bedeutet
aber Einschränkungen in der Kompatibiliät, d.h. die Fahrzeuge sind
nicht mehr „durchtauschbar“.
In der Diskussion werden oft Feuerwehren aus Skandinavien erwähnt, die
auch in extremen Bedingungen eingesetzt werden und häufig nur über
Fahrzeuge mit Straßenantrieb verfügen. Dazu muß man wissen, daß z.B. in
Finnland das Militär mit hoch geländegängigen Fahrzeugen (z.B. der
ABC-Einheiten) in den Katastrophenschutz eng eingebunden und auch
relativ schnell verfügbar ist.
Ulrich Cimolino
03.02.2005

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© www.FEUERWEHR.de, Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Mayer
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