Brandstiftungen durch Feuerwehrangeh

Was sind die Motive für Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörige?

Im Sinne dieser Abhandlung gibt es zwei zu betrachtende Hauptaspekte:

Das Krankheitsbild Pyromanie ist stark vereinfacht die nicht zu kontrollierende Sucht, Brände zu legen. Die Bandbreite der krankheitsbedingten individuellen Beweggründe ist sehr groß und reicht von absoluter Faszination für das Feuer, über das Bedürfnis, Dinge oder Gebäude mittels Feuer zu vernichten oder zu reinigen, bis zum Erfreuen über die intensiven Emotionen an der Brandstelle.


Ein anderes, in der Feuerwehr leider besonders häufig anzutreffendes Motiv ist falsches Geltungsbedürfnis, beziehungsweise Profilierungssucht:

Ein Mensch sieht sich in seinem Alltagsleben nicht ausreichend wertgeschätzt und versucht deshalb durch seine Fertigkeiten als Feuerwehrangehöriger zu glänzen. Wenn es keine oder nicht ausreichend viele Gelegenheiten gibt sich ins rechte Licht zu setzen, oder seinen persönlichen Wert zu spüren, schafft er sich welche. Zwei Drittel der Täter weisen Persönlichkeitsstörungen auf. 75% aller Brandstifter sind während der Tat alkoholisiert, 50% sogar alkoholkrank.


Erzeugt die Feuerwehr Brandstifter?

Die Feuerwehr lebt und arbeitet idealerweise nach einem strikten Ehrbegriff. Es gibt die Feuerwehr, weil Schadenfälle passieren und deshalb auch Helfer gebraucht werden, die dann eingreifen können. Jeder Feuerwehrangehörige, der das verstanden hat, trainiert zwar für diese Schadensfälle, aber er weiß auch dass die meisten Einsätze mit Leid verbunden sind und freut sich deshalb, wenn nicht passiert. Es finden sich aber immer wieder Menschen in den Feuerwehren, die aus krankhafter Faszination oder mangels Selbstwertgefühl Brände legen.


Solche Menschen tragen diese Neigungen oder diese persönlichen Probleme schon lange in sich, bevor sie zur Feuerwehr kommen. Sie gehen zur Feuerwehr, weil sie dort die beste Möglichkeit haben, an den selbst verursachten Ereignissen vom ersten Funken bis zum gemeinsamen Imbiss im Gerätehaus teilzunehmen. Viele Feuerwehren machen den Fehler, auf konsequente Personalauswahl zu verzichten. Sie sehen sich im Selbstbild als sozialen Zusammenschluss und möchten deshalb möglichst keine Interessenten abweisen. Ein Übriges tut der sich verschärfende Personalmangel, auf den die Verantwortlichen reagieren, indem sie die Zugangsvoraussetzungen noch weiter absenken.


Warum gibt es immer wieder Pressemeldungen, dass Feuerwehrleute Bände legen?

Dafür gibt es vermutlich mehrere Gründe:

Zum Einen wirkt die in den vergangenen Jahren intensiv vorangetriebenen Brandschutzerziehung. Zündelbrände durch Kinder gehen stark zurück. Die verbliebenen Straftaten können so eingehender untersucht werden, dadurch könnte ein Anstieg in der Aufklärungsquote zu verzeichnen sein.


Ebenso verfügt die Polizei über verschiedene neue Werkzeuge und Möglichkeiten, die spezifisch zur Aufklärung von Serienbrandstiftungen eingesetzt werden. Des Weiteren sind Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörige nun auch in die Aufmerksamkeit der Medien gerückt. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit heutzutage höher, dass eine solche Brandstiftung auch überregional bekannt wird.


Zuletzt lässt sich leider nicht ausschließen, dass die Anzahl der Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörige in den letzten Jahren angestiegen ist. Dies mag auch zum Teil ein Nebeneffekt der Berichterstattung in den Medien sein: Die oben beschriebene eher schlichte Tätergruppe mit dem Zwang zur Selbstdarstellung mag durch die Berichterstattung überhaupt erst auf die Idee gekommen sein. Selbst für einen geistig schlicht möblierten Menschen ist es heute vergleichsweise einfach, sich seine 15 Minuten Ruhm abzuholen.Viele Feuerwehren verstärken diese gefährliche Tendenz unbeabsichtigt, indem sie z. B. die Fotostrecke des letzten Brandeinsatzes auf ihrer Internetpräsenz einstellen, noch bevor die Asche kalt ist.


Gibt es Statistiken oder Zahlen dazu?

Als gesicherte Daten gibt es neben der allgemeinen polizeilichen Kriminalitätsstatistik eine Datenbank des LKA Brandenburg, in der inzwischen mehr als 1000 aufgeklärte Brandstiftungen mit entsprechenden zusätzlichen Beschreibungsmerkmalen zu finden sind.


Die relevanten Daten wurden den Feuerwehren bisher noch nicht zu Auswertungszwecken zugänglich gemacht. Eine erneute Anfrage wurde mit Verfassen dieses Artikels an den Betreuer der Datenbank gestellt. Alle weiteren Angaben sind letztendlich mehr oder weniger fundierte Schätzungen.


So gibt es z. B. die Aussage des Deutschen Feuerwehrverbandes, dass jährlich in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle von Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörige bekannt würden. Von den ebenfalls geschätzten 36.000 auf Brandstiftungen beruhenden Bränden wären das nur 0,3 Promille und damit vergleichsweise wenig zur üblichen Abweichlerquote in der Bevölkerung. Die obigen Zahlen sind nicht statistisch abgesichert.

Der Versuch einer quantitativen Aussage ist zwar seriöser, aber nicht aussagekräftiger als die Aussage von Dietmar Zgaga, dem stellvertretendem Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes Mecklenburg-Vorpommern: „Die meisten Brandstifter sind Feuerwehrleute.“

Deshalb erspare ich dem geneigten Leser weitere Darstellungen, Erörterungen und Vergleiche solcher nicht belastbaren Aussagen und Stellungnahmen.


Was kann die Feuerwehr tun?

In der Jugendfeuerwehr müssen die Betreuer helfen, Selbstwertgefühl zu entwickeln und von Anfang an die Werte der Feuerwehr vermitteln. Hier kann es beispielsweise sinnvoll sein, wenn sich die Organisation einen eigenen Kodex gibt und als Leitbild ausweist und lebt.


Ein zur Nutzung und Vervielfältigung freigegebener Feuerwehrkodex:


Der Kodex der Feuerwehr

Wenn man unsere Arbeit braucht sind wir zur Stelle.
Wir helfen Menschen und Tieren, die unsere Hilfe brauchen.
Hautfarbe, Geschlecht oder Religion bedeuten für uns keinen Unterschied.

Wir helfen so gut wie wir es nur können.
Wenn nötig gehen wir hohe Risiken ein, um Menschen aus Lebensgefahr zu retten.
Wir schicken niemals einen der unseren in den sicheren Tod.

Es gibt uns nur deshalb, weil wir gebraucht werden.
Wir wissen, dass viele unserer Einsätze mit Leid verbunden sind.
Unsere Motivation ist es, Leid und Schaden so klein wie möglich zu halten.

Nicht nur Fremde, auch unsere Familie und unsere Freunde brauchen uns.
Wir vernachlässigen sie nicht und kümmern uns um ihre Sorgen und Bedürfnisse.
Wir würdigen es, dass sie unser Ehrenamt mit tragen.

Wir lernen und üben ständig.
Wir aktualisieren und erweitern stetig unser Wissen.
Wir trainieren immer wieder Ausdauer und Kraft, Arbeitstechniken und Handgriffe.

Wir dulden niemanden unter uns, der aus Geltungs- oder Zerstörungssucht Feuer legt.
Wir dulden niemanden unter uns, der unter Rauschmitteln zum Einsatz kommt.
Wir dulden niemanden unter uns, der Rassismus in die Feuerwehr trägt.

Alle Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner sind Geschwister.
Wir respektieren uns, passen aufeinander auf und schützen uns.
Wir sind füreinander da.

(In Erinnerung an Löschmeister Paul Walter)

Bei erwachsenen Neueinsteigern kann eben nicht jeder vermeintlich körperlich und geistig Geeignete vorbehaltlos aufgenommen werden. Es sind Bewerbungen, Bewerbungsgespräche und damit auch Ernsthaftigkeit und Zeitaufwand für die Auswahl erforderlich. Generell sinnvoll ist, die Bewerber unter Leitung der städtischen Personalstelle den dort üblichen Überprüfungen und Einschätzungen zu unterziehen. Die teilweise nach Landesrecht gegebene Möglichkeit, ein polizeiliches Führungszeugnis anzufordern, sollte in jedem Fall ausgeschöpft werden.

Wenn die Feuerwehr Bewerber in eigener Regie und Verantwortung bewertet, dann sollte dabei auch eine gewisse Form eingehalten werden.

Pro Bewerber sollte mindestens eine Stunde Zeit eingeplant werden. Der Einheitsführer oder sein Stellvertreter, zwei Feuerwehrangehörige mit Lebenserfahrung und umfassenden Kenntnissen in (zivilen) Personalangelegenheiten, und eine Feuerwehrfrau mit mindestens Gruppenführerfunktion sollten stets bei dem Gespräch dabei sein. Einer der Anwesenden führt ein Protokoll.

Es sollten grundsätzlich immer einige Fragen an den Bewerber gestellt werden, die dem Auswahlteam helfen, einen möglichst unverfälschten Eindruck zu gewinnen.


Die folgenden Fragen / der Gesprächsverlauf haben sich inhaltlich bewährt:


Erfassen der persönlichen Daten, dabei auch gleich prüfen: Wohnort im Einzugsbereich, Führerschein und Zugriff auf Kfz, Aussage zum Gesundheitsstatus, Beruf oder Schule, grundsätzliche Tagesverfügbarkeit

Frage nach Vorstrafen und Bewerber eröffnen, dass er polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss

Warst Du schon mal in einer anderen Hilfsorganisation oder Feuerwehr?

Information geben, dass eine umfassende medizinische Untersuchung für den Atemschutzeinsatz noch erforderlich ist

Warum /oder mit welchen Zielen kommst du zur Feuerwehr?

Was fehlt Dir in deinem Alltagsleben oder was hast du dort nicht, was du bei der Feuerwehr finden möchtest?

Was weißt du über die Abläufe bei der Feuerwehr? Durchgehen / Erläutern:

  • Ausbildung einschließlich Funktionen

  • Verpflichtung zur Teilnahme an Übung und Einsatz

  • Einsatzverteilung und Einsatzhäufigkeit

  • Zeitaufwand für Übung, Ausbildung, Einsatz

  • Belastungen wie nächtliche Einsätze

Welche Ziele hast du bei der Feuerwehr oder welche Funktion könntest du dir vorstellen?

Hast du irgendwelche der nachfolgenden Probleme:

  • Höhenangst / nicht schwindelfrei

  • Platzangst / Probleme eine Atemschutzmaske zu tragen

  • Kein Farbsehen / stark eingeschränktes Hören

  • Den Anblick von Blut nicht ertragen können

  • Nichtschwimmer

  • Sonstiges dass im Feuerwehrdienst einschränken könnte

Wie Bist du auf die Idee gekommen, dich bei der Feuerwehr vorzustellen?

Warum nicht bei einer anderen Hilfsorganisation?

Warst du schon mal in einem Verein, wo Teamwork wichtig war?

Wie stehst du zu Teamarbeit? Arbeitest du deine Aufgaben lieber allein ab oder im Team?

Wie stehst du zu den verschiedenen Aufgaben der Feuerwehr?

Zum Beispiel Brandbekämpfung, Technische Hilfeleistung, Umweltschutz, Erste Hilfe?

Wieviel Prozent der Arbeit der Feuerwehr (Einsatzgeschehen) hat nach deiner Schätzung mit Feuer zu tun?


Ziel dieser Fragen soll es sein, sich ein Gesinnungsbild des Bewerbers zu machen und grob zu prüfen, ob seine Motivation zur Feuerwehr zu gehen durchdacht und sinnvoll ist. Bei der Analyse der Hintergründe von brandstiftenden Feuerwehrangehörigen haben sich häufig vorhandene Gemeinsamkeiten bei diesen ergeben. Empfohlen wird (siehe Quellen) bei Bewerten der fragen und Daten mittels einer Punkteliste vorzugehen. Je mehr Punkte der Kandidat aufweist, desto kritischer ist er zu betrachten. Das Anwenden der Punkteliste ist allerdings auch keine absolute Garantie dafür, dass ein Kandidat mit hoher oder niedriger Punktzahl ein oder kein Brandstifter ist. Die Listen sind nur Hilfsmittel!


Nachstehend finden sich die in den Quellen ausgewiesene Punktelisten in überarbeiteter Form. Faktoren, die vor der Aufnahme des Bewerbers bewertet werden können, wurden von den nach Eintritt in die Wehr hinzu kommenden getrennt. Die einzelnen Merkmale sind nach ihrer Relevanz aufgezählt.


Punktetabellen zum Einschätzen des Brandstiftungsrisikos


Kritische Merkmale vor Aufnahme

Risikopunkte

Vorstrafen wegen Missbrauch von Notrufen, Brandstiftung

● ● ● ● ●

Minderwertigkeitsgefühle

● ● ●

Schlechte schulische Leistungen

● ●

Schwierige Familienverhältnisse

● ●

Suizidversuche

● ●

Andere Vorstrafen

● ●

Alkohol- und / oder Drogenmissbrauch

● ●

Unter 25 Jahre alt

Schlechte berufliche Situation, arbeitslos

Kontaktarmut


Kritische Merkmale in der Feuerwehr

Risikopunkte

Meldung des verdächtigen Brandes durch den Feuerwehrangehörigen

● ● ● ●

Rasche Anwesenheit bei verdächtigen Bränden

● ● ●

Übertriebene Schilderung der eigenen Leistungen bei der Brandbekämpfung innerhalb der Feuerwehr

● ● ●

Übertriebene Schilderung der eigenen Leistungen bei der Brandbekämpfung gegenüber Dritten

● ● ●

Erst wenige Jahre in der freiwilligen Feuerwehr

● ●

Übereifer in der Feuerwehr

● ●


Quellen / ergänzende Internetlinks:

Polizeiliche Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes: http://www.bka.de/lageberichte/index.html

Bericht Datenbank LKA Brandenburg: http://www.bka.de/kriminalwissenschaften/kiforum/kiforum2005_jaekel.pdf

Weiterführende Links zum Krankheitsbild Pyromanie:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/brand.html

http://www.onlineberatung-therapie.de/stoerung/impulskontroll-verlust/pyromanie-pathologische-brandstiftung.html

Besonders empfehlenswert: Abhandlung Brandstiftung in der freiwilligen Feuerwehr:  http://www.lz-bad-fredeburg.de/bst.pdf

Jo M

20.01.2010

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© www.FEUERWEHR.de, Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Mayer


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