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Einsatzstellenkommunikation
Hier der Auszug zu dem Thema (aus Atemschutz bzw. Einsatzstellenkommunikation):
Grundsatz bei den Überlegungen für ein Einsatzstellen-Funkkonzept ist
es daher, nicht nur einen, sondern mehrere Kanäle zu verwenden. Dies
ist umso dringender, je mehr Aufgaben im 2 m-Band abgedeckt werden
sollen (z.B. Telemetrie).
Bei die Erarbeitung eines Einsatzstellen-Funkkonzeptes stehen
grundsätzlich vier Versionen zur Verfügung, im folgenden wird auf die
wichtigsten Aspekte hingewiesen. (Vgl. CIMOLINO,
Einsatzstellenkommunikation, 2000)
Version 1
Alle Einsatzkräfte funken auf einem Kanal, z.B. der Kanal 56.
Das ist bei den meisten Feuerwehren der jetzige Zustand. Bei Bedarf kann auf andere verfügbare Kanäle umgeschaltet werden.
Vorteile:
- Bei Normaleinsätzen muß keiner umschalten, alle sind auf einem Kanal erreichbar.
- Eine flexible Kanalbenutzung ist theoretisch möglich.
Nachteile:
- Alle funken auf einem Kanal.
- Der Funkkanal ist in der Regel überlastet.
- Die Einzelkanaltrennung erst an einer größeren Einsatzstelle
anzuordnen und durchzuführen ist maximal aufwändig und praktisch nahezu
unmöglich.
- Die zugewiesenen Kanäle müssen allen entsprechenden Einsatzkräften vor Ort bekannt sein bzw. erst bekannt gemacht werden.
- Eine Kanalumschaltung ist für bereits eingesetzte Atemschutztrupps
schon aufgrund der beschränkten Sichtverhältnisse und der schlechten
Handhabbarkeit der Funkgeräte mit vollständiger Schutzausrüstung
(Handschuhe!) fast unmöglich.
- Die Umschaltung und Handhabung der Geräte muß geübt werden.
- Aus Erfahrung erfolgt daher in der Regel keine Kanaltrennung.
- Erfolgt doch eine Kanaltrennung, benötigt jeder in der ausgewählten
Führungsebene (in der Regel die Zugführer) je zwei Funkgeräte.
Version 2
Alle Einsatzkräfte funken zunächst auf einem Kanal. Der Führungskanal
(z.B. 50 W/O) wird grundsätzlich zusätzlich ab der Zugebene betrieben.
An der Einsatzstelle schalten die Einheiten des zweiten und der
folgenden Abschnitte nach Vorgabe der Einsatzleitung auf bekannte
Kanäle um.
Vorteile:
- Auf der Anfahrt sind alle Einsatzkräfte auf einem 2 m-Kanal zu erreichen.
- An der Einsatzstelle besteht Kanaltrennung, wenn die Einsatzleitung
rechtzeitig und eindeutig allen betreffenden Einheiten Kanäle zuweist.
- Es erfolgt eine reale Entlastung des Einsatzstellenfunks.
Nachteile:
- Nahezu alle Funkgeräte müssen umgeschaltet werden.
- Nach aller Erfahrung ist eine einheitsübergreifende Kommunikation
(d.h. auf der Anfahrt von Löschzug A zu Löschzug B) im 2 m-Band selten.
Wenn doch eine benötigt wird, eignet sich dafür auch das 4 m-Band des
Fahrzeugfunks, dies hat darüber hinaus den Vorteil, daß auch die
Leitstelle und weitere evtl. noch anfahrende Kräfte z.B.
Anfahrtshinweise mitbekommen.
- Der übergeordnete Führer bekommt nur die durch den Zugführer gefilterten Meldungen mit.
- Erfolgt doch eine Kanaltrennung, benötigt jeder in der ausgewählten
Führungsebene (in der Regel die Zugführer) je zwei Funkgeräte.
Version 3
Alle Einsatzkräfte funken z.B. auf Kanal 56, nur ein Kanal ist separat.
Dies kann entweder ein Führungskanal sein, oder in der anderen Variante
ein sogenannter Atemschutzkanal.
Version 3.1 mit separatem Führungskanal
Vorteile:
- Eine reale Entlastung des Einsatzstellenfunks ist gegeben.
- Der Kanal der Führung ist getrennt, d.h. auf der Führungsebene kann von sicherer Kommunikation ausgegangen werden.
- Feste Kanalvorgaben, es muß keiner umschalten.
- Dies wäre eigentlich die beste Lösung für normale Einsätze (z.B. „Feuer 1“) bis Zugstärke.
Nachteile:
- Jeder in der ausgewählten Führungsebene (i.d.R. Zugführer) muß mit zwei 2 m-Geräten arbeiten.
- Der übergeordnete Führer bekommt nur durch den Zugführer gefilterte Meldungen mit.
- An größeren Einsatzstellen bricht gerade bei den Einsatzkräften mit
dem größten und wichtigsten Kommunikationsbedarf - den Angriffstrupps -
der Funkverkehr zusammen, da alle anderen Einsatzkräfte - außer der
Führung - auf einem Kanal senden.
Version 3.2 mit separatem Atemschutzkanal
Vorteile:
- Eine reale Entlastung des Einsatzstellenfunks ist gegeben.
- Der Kanal der Atemschutztrupps ist getrennt, d.h. bei
Standardeinsätzen (z.B. Zimmerbrand) kann von sicherer Kommunikation
ausgegangen werden.
- Feste Kanalvorgaben, es muß keiner umschalten.
Nachteile:
- Da jeder Fahrzeugführer direkt personalverantwortlich seinen ihm
unterstellten Einsatzkräften ist (hier i.d.R. Gruppe oder Staffel), muß
er sowohl mit seinen Atemschutztrupps als auch mit der übergeordneten
Führungsebene kommunizieren können. In dieser Variante benötigt daher
schon jeder Fahrzeugführer mit eigenständig arbeitenden Trupps je zwei
2-m-Funkgeräte!
- Der übergeordnete Führer (hier schon der Zugführer!) bekommt nur die durch den Fahrzeugführer gefilterten Meldungen mit.
- An größeren Einsatzstellen bricht gerade bei den Einsatzkräften mit
dem größten und wichtigsten Kommunikationsbedarfs - den Angriffstrupps
- der Funkverkehr zusammen, da alle anderen Angriffstrupps ebenfalls
auf diesem Kanal senden.
Anmerkung:
Die schlechteste der vermeintlichen Lösungen ist die Kommunikation auf
einem "Atemschutzkanal" zu einem eigenen (zentralen)
"Atemschutzüberwacher", der dann seinerseits wieder mit den
eigentlichen Führungskräften (Fahrzeugführern) kommunizieren soll.
Eine solche Organisation der Einsatzstelle bzw. Funkverkehrs führt zum
Abkoppeln der verantwortlichen Führungskräfte von Informationen und
entspricht nicht dem Führungsaufbau. Damit wird unnötig der
Kommunikationsbedarf vergrößert, der darüberhinaus wegen der
Kanalüberlastung (alle Atemschutztrupps auf EINEM Kanal) gar nicht mehr
erfüllt werden kann.
Es wurde trotz großen Aufwands nichts erreicht und allenfalls eine Scheinsicherheit erzeugt.
Version 4
Alle Einsatzkräfte funken in ihren Einsatzabschnitten auf separaten,
vorher festgelegten und abschnittsbezogenen Kanälen, der Führungskanal
ist separat.
Vorteile:
- Maximale Entlastung der zugewiesenen Kanäle.
- Reduzierte Auslastung jedes Funkkanals.
- Bei kleineren Einsätzen (innerhalb eines Brandabschnitts) muß keiner
umschalten (es handelt sich dann praktisch um Version 3.1).
Nachteile:
- Jeder in der ausgewählten Führungsebene (i.d.R. Zugführer) muß mit zwei 2-Meter-Geräten arbeiten.
- Der übergeordnete Führer bekommt nur die durch den Zugführer gefilterten Meldungen mit.
- Es muss immer ein Teil der Einsatzkräfte umschalten.
- Hierbei ergibt sich die Schwierigkeit: Wer schaltet auf welchen
Kanal? (Häufig ein Problem, wenn die Einheiten von verschiedenen
Standorten kommen = Rendevouz-System.)
Auswahl der am besten geeigneten Version
Sowohl die Variante 2, als auch die Variante 4 sind grundsätzlich möglich und sinnvoll.
Die gewählte Variante ist auch bei Standardeinsätzen zu benutzen, um
ausreichende Praxis im Umgang mit den verschiedenen Kanälen und den
Funkgeräten zu erlangen.
Es macht insbesondere keinen Sinn, im Standardeinsatz nach Variante 3.1
bzw. 3.2 zu verfahren „weil es einfacher ist“ und nur im
Großschadensfall auf die Variante 2 bzw. 4 umzuschwenken. Dies wird
mangels ausreichender Praxis nicht funktionieren.
Bei der Kanalverteilung ist unbedingt zu beachten, daß die Feuerwehren
der umliegenden Kreise/kreisfreien Gemeinden sowie die anderen
Hilfsorganisationen nicht in ihrem Funkverkehr inkl. der
Alarmierungswege (z.B. Digitalalarmierung im 2 m-Bereich)
beeinträchtigt werden. Entsprechende Absprachen sind daher im Vorfeld
notwendig!
Grundsätzlich stehen der Feuerwehr meist folgende 2 m-Kanäle zur Verfügung:
50, 53, 55, 56 je Ober-/Unterband
Die Kanäle des Katastrophenschutzes können zumindest bei Großeinsätzen ebenfalls mit genutzt werden:
20, 25, 32, 34 je Ober-/Unterband
Der 2 m-Kanal zur Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdienste und Einheiten der Gefahrenabwehr z.B. mit der Polizei ist: 31 W/U
Die Hilfsorganisationen (DRK, MHD, JUH, ASB) und das THW teilen sich die Kanäle 49 und 51.
Die Bergwacht des DRK nutzt Kanal 39.
Als Führungskanal sowie für den noch keinem bestimmten Abschnitt
zugewiesenen Rettungsdienst wird grundsätzlich der Kanal 50 W/O
vorgeschlagen!
Hinweis:
Teilweise ergeben sich landesspezifisch andere Kanalverteilungen.
Erkundigen Sie sich hier im Rahmen der Einsatzvorbereitung, welche
2m-Kanäle Ihnen (ggf. noch mit welchen Auflagen!) zur Verfügung stehen!
Damit die Frage der Umschaltung, d.h. wer schaltet auf welchen Kanal,
von vornherein klar ist, ist dringend zu empfehlen, einen
Übersichtsplan für die Kanalverteilung vorzubereiten. Dieser
Übersichtsplan sollte in allen Fahrzeugen an gut sichtbarer Stelle
eingeklebt werden. Damit kann jeder schon beim Ausrücken auf einem
Blick nachvollziehen, in welchen Brandschutzabschnitt man fährt oder
auf welchen Kanal umzuschalten ist. Der Kanalverteilungsplan weist den
Kanal für den Führungskanal sowie für die einzelnen
Brandschutzabschnitte aus. Dargestellt werden auch die Sonderkanäle bei
bestimmten Einsatzlagen, wie z. B. U-Bahn-Einsätze, Einsätze im
Rheinstadion und am Flughafen, da hier meist eigene
Funkversorgungsanlagen vorhanden sind. Auf einer kleinen Grafik werden
die Brandabschutzschnitte mit den einzelnen Funkkanälen dargestellt.
Abb. 1.4.4/2: Beispielhafte Kanalverteilungsübersicht der Feuerwehr
Düsseldorf nach Version 4 zum Ausfüllen an der Einsatzstelle (Grafik:
Cimolino) [war Abb. 1.4.3/2]
Abb. 1.4.4/3.a: Kanalverteilung in Düsseldorf in der Kanaltrennung nach
Version 4 (Grafik: Schneider, BF Düsseldorf) [war Abb. 1.4.3/3.a]
Abb. 1.4.4/3.b: Aktuelle Kanalverteilung in Düsseldorf inkl. Übersicht
über die benachbarten Funkkreise in der Version 2 (Grafik: Graeger, BF
Düsseldorf) [war Abb. 1.4.3/3.b]
Entsprechende Checklisten sollten Bestandteil jedes Führungsfahrzeugs,
z.B. in sogenannten Einsatzleiterhandbüchern, sein, vgl. CIMOLINO,
et.al., 2004.
Mit diese Listen ist es sehr schnell und einfach möglich, eine
Kommunikationsplanung an Einsatzstellen zu betreiben und damit auch
gleich die Einsatzstelle mit ihren Unterstellungsverhältnissen klar zu
regeln.
Quelle: http://www.feuerwehr.de/forum/s.php?m=349274
Ulrich Cimolino
15.07.2006

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