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Modernisierung älterer Feuerwehrfahrzeuge
ACHTUNG!
Bei allen Nachrüstungen sollte die zulässige Gesamtmasse und die
zulässigen Achslasten im Auge behalten werden! Auch ist zu beachten,
dass bei Fahrzeugabnahmen pro Sitzplatz nur 70kg / Sitzplatz gerechnet
werden, was NICHT realistisch ist! Die Kontrolle der zGM sollte
zunächst einmal vor der
geplanten Maßnahme überprüft werden, nach dem Abschluss der Maßnahme
sollte dies ebenfalls erfolgen. Bei sehr umfangreichen Umbauten
selbstverständlich auch zwischendurch. I. d. R. sind hier Steinbrüche
etc. mit festen (LKW) Waagen doch hilfsbereit und erstellen ein
entsprechendes Wiegeprotokoll.
Feuerwehrfahrzeuge müssen in der Regel sehr lange Einsatzzeiten
aushalten, bis sie neu beschafft werden. Im Schnitt wird diese Zeit um
25 Jahre Einsatzzeit liegen, nicht selten noch darüber. Christian Fleschhut und Daniel Gehlen haben sich Gedanken zur zeitgemäßen Kampfwertsteigerung älterer Fahrzeuge gemacht.
Während der Laufzeit der Fahrzeuge entwickelt sich die Technik allgemein weiter,
natürlich auch im Bereich der Feuerwehrtechnik. Auch die Normen werden
der allgemeinen Entwicklung angepasst. Eine Nachrüstpflicht für alte
Fahrzeuge gibt es nicht, hier gibt es einen Bestandschutz, die
Fahrzeuge können die Beladung behalten, die zum Zeitpunkt der
Beschaffung vorgeschrieben war. Um das Fahrzeug allerdings auf dem
Stand der Technik zu halten, sollte in regelmäßigen Abständen die
Beladung des Fahrzeuges kritisch überprüft werden. Sinnvollerweise kann hier ein Vergleich zwischen "alter" und "neuer" Norm wertvolle Hinweise für mögliche Änderungen aufzeigen.
Hierbei können
natürlich Ausrüstungsgegenstände auffallen, die man eigentlich
sinnvollerweise nachrüsten sollte, allerdings können hier auch
Ausrüstungsgegenstände „auftauchen“, die man nicht mehr auf dem
Fahrzeug benötigt bzw. bei denen es ausreicht, wenn diese im
Einsatzfall von weiteren Kräften nach gebracht bzw. erst später geholt
werden.
ABER: Vorsicht bei Änderungen des taktischen Einsatzwertes! Es ist sehr kritisch zu sehen, wenn wichtige (lebensrettende) Normbeladung ausgeladen wird, nur weil sie nie gebraucht wurde! Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel das Sprungpolster, welches wohl nur sehr selten zum Einsatz kommt, aber den taktischen Einsatzwert des Fahrzeuges mit bestimmt!
Am häufigsten werden von solchen Modernisierungen Fahrzeuge wie TSF, LF
8 oder LF 16 TS betroffen sein, allerdings sollten auch wasserführende
Fahrzeuge wie LF 8/6, LF 16 oder TLF 16/25 auf einem aktuellen Stand
gehalten werden, auch wenn die Änderungen in aller Regel nicht so
umfangreich sein dürften wie bei den anderen Erstangreifern.
Die ersten Investitionen bzw. Veränderungen sollten in die Sicherheit
der Einsatzkräfte fließen und bei jeder Feuerwehr vorhanden sein. Zwei
Warndreiecke und Blinklampen zur Einsatzstellenabsicherung sollten auf
jedem Einsatzfahrzeug bereits „serienmäßig“ vorhanden sein, diese
stellen allerdings auch nur das absolute Mindestmaß an
Absicherungsmaterial dar. Faltdreiecke (Triopane) und entsprechend
leistungsfähige Blitzlampen sollten die nächste Evolutionsstufe sein,
die zwar Investitionen im Bereich von mehreren 100 € erfordern,
allerdings kaum Platz benötigen, so dass sie eigentlich auf jedem
Fahrzeug vorhanden sein sollten. Keine Investition erfordert die
Verlastung von handelsüblichen Absperrband, dies kann z.B. vom Bauhof
zur Verfügung gestellt werden. Ist etwas mehr Platz auf dem Fahrzeug
vorhanden, so macht auch das Verlasten von mehreren Pylonen Sinn. Auch
diese können eventuell über Kontakte zum Bauhof „organisiert“ werden.
Eigentlich nicht erwähnenswert sind Warnwesten. Diese sollten pro Sitzplatz im Fahrzeug mindestens einmal vorhanden sein. Auch wenn moderne Schutzkleidung oft die entsprechende EN 471 (Warnwirkung) erfüllt - zumindest beim Kauf... Fahrzeugumbauten allgemein
Auch am Fahrzeug selbst können i.d.R. Verbesserungen vorgenommen
werden, wenngleich diese auch deutlich aufwändiger sind, sowohl
finanziell als auch von der Arbeit her gesehen. Hier wäre zunächst
einmal das Nachrüsten einer dritten Rundumkennleuchte am Fahrzeug zu
nennen, weitere Umbauten wären der Einbau von Frontblitzern oder der
Einbau einer Umfeldbeleuchtung. Hier ist auf die Leistungsfähigkeit der
verbauten Lichtmaschine zu achten und die Beleuchtungsmittel
entsprechend auszuwählen. Außerdem müssen die verbauten Teile den entsprechenden Vorschriften entsprechen!
Eine weitere Verbesserung der Wahrnehmbarkeit der Einsatzfahrzeuge ist
das Bekleben des Fahrzeuges mit einer reflektierenden Konturmarkierung.
Auch der Einbau eines Heckwarnsystems verbessert die Sicherheit der
Einsatzkräfte gerade auf Straßen mit viel / schnellem Fahrzeugverkehr
erheblich. Hierbei sind widerum die aktuellen landesrechtlichen
Vorschriften zu beachten.
Der Gruppenführer
Für den Gruppenführer sollte heute einiges mehr an Ausrüstung vorhanden sein, als beispielsweise noch vor 20 Jahren. Mittlerweile hat jedes (?) Bundesland eine Vorschrift zur
Führungskräftekennzeichnung eingeführt. Also sollte selbstverständlich
auch eine den geltenden Vorschriften entsprechende Kennzeichnungsweste
für den Gruppenführer vorhanden sein. Auch Einsatzliteratur sollte auf
dem Erstangreifer vorhanden sein. Z.B. für den Gefahrgutsektor bietet
sich der „Nüssler“ (Gefahrgutersteinsatz) an, allgemein z.B. das
„Feuerwehr Einsatzleiter Taschenbuch“. Für den eigenen Ausrückbereich
sollte auch entsprechendes Kartenmaterial inkl. Planzeiger vorhanden
sein. All dies kann z.B. in einem Ordner gemeinsam im Zugriffsbereiches
des GF zusammengefasst sein.
Brandbekämpfung allgemein In der DDR allgemein üblich, in den westlichen Bundesländern noch immer weitgehend unbekannt: der 2B-CBC-Verteiler. eingangsseitig verfügt dieser Verteiler über zwei B-Anschlüsse, ist nur ein Eingang angeschlossen, wird der Andere über eine Klappe im inneren des Verteilers abgedichtet (vgl. "Hosenstück" A-BB). Vorteil dieses Verteilers bei Erstangreifern: der Verteiler wird normal vorgenommen, trifft ein weiteres (Tank-)Löschfahrzeug ein, kann dieses am zweiten B-Eingang ankuppeln.
Schaumeinsatz Bis vor wenigen Jahren war Mehrbereichsschaummittel (MBS) für die meisten Feuerwehren das einzig mitgeführte SM. Mittlerweile gibt es im Bereich Schaum jedoch viele Feuerwehren, die andere Mittel einsetzen oder gar zwei verschiedene SM vorhalten. Im Hinblick auf die steigenden Zumischraten von (Bio-)Ethanol in Kraftstoffen macht zum Beispiel die Vorhaltung alkoholresistenter SM Sinn. (Nähere Informationen: FAQ Schaummittel)
Der Innenangriff
Für Fahrzeuge mit Atemschutzausrüstung sollte eine
Atemschutzüberwachungstafel obligatorisch sein und natürlich auch im
Einsatz- und Übungsdienst benutzt werden. Entsprechende
Überwachungsformulare sind an diversen Stellen im Internet zu finden.
Um ein älteres Fahrzeug fit für einen zeitgemäßen Innenangriff zu
machen, sind i.d.R. durchaus durchgreifende Änderungen notwendig, nicht
nur an der Technik, im Zweifel vor allem auch an der Taktik. Wer noch
nie mit Schnellangriffsverteiler (SAV) und Schlauchtragekörben (STK)
gearbeitet hat, wird sich damit zu Beginn sicherlich schwer tun und die
Vorteile dieser Ausrüstungsgegenstände nicht unbedingt sofort bzw. auf
den ersten Blick erkennen. Zunächst einmal sind für die Trupps im Innenangriff Hohlstrahlrohre
(HSR) unerlässlich. Nur mit HSR lassen sich Temperaturcheck & Co
vernünftig umsetzen. Auch das ändern der Durchflussmenge (z.B.
herabsetzen bei Kleinbrand) bietet Vorteile. Abhängig von der Anzahl
der verlasteten PA sollte die Zahl der HSR entsprechend ausfallen. 4 PA
= 2 HSR, 6 PA = 3 HSR.
Zu guter letzt fordert auch die neue DIN EN 15182 dazu auf im Innenangriff auf Mehrzweckstrahlrohre zu verzichten. Einhergehend mit der Beschaffung von HSR ist auch zwingend eine entsprechende Ausbildung an diesen Gerätschaften. Umbauten am Einsatzfahrzeug lassen sich nicht vermeiden, wenn
Schlauchtragekörbe eingesetzt werden sollen. Je nach Fahrzeugtyp
entweder anstelle einer Schlauchhaspel oder anstelle von
Rollschläuchen. Dass der Umbau aber problemlos möglich ist, zeigen
diverse Beispiele bei Feuerwehren in der ganzen Republik, egal ob bei
einem TSF oder einem LF 16 TS oder TLF 16/25. Im Zuge dieses Umbaus
sollte auch gleich auf C42 Schläuche umgestellt werden. Ist noch alte
Schaumausrüstung vorhanden (M/S/Z 4 mit C-Kupplung), so sollte diese
auf „B“ umgebaut werden um Probleme mit dem höheren Gegendruck bei C42
Schläuchen zu verhindern.
Als Ergänzung zum STK kann auch ein Schlauchpaket zusätzlich verladen
werden. Auch dies schlägt sich natürlich entsprechend in der Ausbildung
der Einsatzkräfte nieder.
Ein Schnellangriffsverteiler kann ohne großen Aufwand realisiert
werden. Hierfür einfach einen Verteiler und einen B-Schlauch in der
Nähe eines Pumpenabganges lagern. Auch bei einem TSF kann so etwas Sinn
machen, allerdings ist hier auf die Eigenheiten des Fahrzeuges zu
achten. Muss die TS grundsätzlich aus dem Fahrzeug entnommen werden
(TS ohne Elektrostart), so kann sicherlich auf einen SAV verzichtet
werden. Soll die TS auf dem Schlitten betrieben werden, so ist darauf
zu achten, dass der TS-Schlitten nicht zu stark abklappt, da es
ansonsten insbesondere bei 4-Takt-getriebenen TS zu Problemen mit der
Motorschmierung kommen kann. Auch sollte darauf geachtet werden, dass
der B-Schlauch nicht ständig am Abgang angeschlossen ist. Bei einem
Fahrzeug ohne Wassertank sicherlich nicht sonderlich dramatisch, kann
dies bei einem Fahrzeug mit Wassertank schnell gefährlich werden, falls
der Abgang nicht richtig schließt oder aus Versehen geöffnet wird,
bevor der SAV ausgelegt ist.
Als Ersatz für einen nicht vorhandenen Schnellangriff kann in der Nähe
eines Abganges eine Schnellangriffstasche mit D-Schlauch gelagert
werden. Für die Lagen, in denen ein formfester Schnellangriff
eingesetzt werden würde, ist auch dieser Ausrüstungsgegenstand
ausreichend.
Ausrüstung der Trupps
Auch die Ausrüstung der Trupps kann mit einfachen Mitteln, oder auch
etwas größerem finanziellen Aufwand wesentlich verbessert werden. Die Atemschutzgeräte können mit einigen Zusatzausrüstungen ausgestattet
werden. Dies macht dann allerdings eine eigene Gefährdungsbeurteilung
notwendig (vgl. VfdB ref. 8 bzw. Veröffentlichungen der EXAM),
allerdings geht heute eigentlich kein Weg an sinnvoller
Zusatzausrüstung vorbei. Dabei geht es um Dinge wie
Kennzeichnungsmaterial für durchsuchte Räume, Bandschlinge,
Rettungsschere oder Leinenbeutel. Weitere sinnvolle Ausrüstung für die
vorgehenden Trupps wäre z.B. ein Tragetuch, Fluchthauben, oder als
Ersatz für die alten Handscheinwerfer Knickkopflampen mit
Ladeerhaltung. Insbesondere bei privat beschafften Helmlampen stellt
sich immer die Frage nach dem aktuellen Ladezustand der Akkus bzw.
Batterien, daher sollte auch bei einer Ausrüstung mit Helmlampen immer
ein zusätzlicher Handscheinwerfer mitgeführt werden.
Die bekannte Feuerwehraxt ist als Brechwerkzeug nur bedingt geeignet.
Hier bieten sich diverse andere Möglichkeiten an. In der Einfachsten
Form wäre dies z.B. ein stabiler Kuhfuß in Verbindung mit einem
Spalthammer, der Kuhfuß kann auch durch ein Halligan- oder Kelly-Tool
ersetzt werden.
Auf einem modernen Erstangreifer sollte heute auch eine Wärmebildkamera
nicht fehlen. Sie kann bzw. sollte natürlich auch auf alten Fahrzeugen
nachgerüstet werden, sofern es das finanzielle Gerüst erlaubt.
Für den Einsatz als Sicherheitstrupp sollte eine entsprechende
Notfalltasche bereit stehen. Inwieweit diese Tasche auf jedem Fahrzeug
mit Atemschutzausrüstung mitgeführt werden sollten, kann sicherlich
diskutiert werden, vorstellbar wäre hier auch eine „zentrale“
Vorhaltung auf Fahrzeugen, die auf jeden Fall bei jedem Einsatz mit
ausrücken (ELW/KdoW).
Für jeden Sitzplatz im Fahrzeug sollte weiterhin eine Atemschutzmaske sowie ein ABEK2-P3-Filter vorhanden sein. Eigentlich selbstverständlich sollte heute sein, dass Getränke für die
Einsatzkräfte mitgeführt bzw. schnellstens nachgeführt werden. Für
einige Flaschen Wasser oder Apfelschorle (0,5 l) sollte eigentlich auch
auf jedem Fahrzeug ein Plätzchen zu finden sein. Auch eine
Hygienestation bzw. ein Hygienebrett zur Grobreinigung bzw. zum
Händewaschen etc. sollte vorhanden sein.
Sofern es der Platz auf dem Fahrzeug zulässt ist auch ein Lüfter eine sinnvolle Anschaffung.
Der GSG-Einsatz
Insbesondere wenn auch CSA vorgehalten werden, sollte auch an
Wechselbekleidung für die Einsatzkräfte gedacht werden. Ob das nun
Kleidung nach Hupf 2/3 oder z.B. Trainingsanzüge sind, hängt von der
Philosophie ab, die vor Ort bei der Wehr gefahren wird. Für den Gefahrgutersteinsatz sollten auf einem Erstangreifer mindestens Gummistiefel und Gummihandschuhe vorhanden sein.
Der THL-Einsatz
Für den Bereich der TH kann auch jedes Fahrzeug mit grundlegenden
Dingen ausgestattet werden. Der vorhandene Werkzeugsatz auf dem
Fahrzeug kann z.B. mit Glasmanagement usw. ergänzt werden.
Zusammengepackt in einem Vernünftigen Behältnis (Kiste/Koffer) kann so
direkt alles benötigte Werkzeug für den Erstangriff mitgenommen werden. Für Rüstholz und Holzkeile kann ebenfalls ein Plätzchen gefunden
werden. Ortsansässige holzverarbeitende Betriebe helfen hier sicherlich
gerne bei der Beschaffung.
Ergänzend hierzu sollten auch mehrere Spanngurte vorhanden sein. Damit
lässt sich zusammen mit Steckleiterteile ein schnelles, preisgünstiges
Abstützsystem bauen.
Auf das Fahrzeug abstimmen sollte man die Anschaffung von Rundschlingen
und Schäkeln. Für ein TSF mit 3500 kg Gesamtgewicht braucht man keine
Rundschlingen mit 80 kN Festigkeit... Sinnvoll ist auf alle Fälle auch ein Stromerzeuger und ein Beleuchtungssatz sowie eine passende Kabeltrommel. Gerade bei häufigen Unwettern bietet sich auch die Aufrüstung des
Fahrzeuges mit einer Motorsäge mit der benötigten Schutzausrüstung an.
Zur Ergänzung der Ausstattung des RD sowie der anderen Feuerwehren
sollte über die Beschaffung eines Spineboardes samt Begurtungssystem
nachgedacht werden. Wie viele Todesfälle bei Übungen / Einsätzen
zeigen, wäre auch die Beschaffung eines Notfallrucksackes mit AED zu
überlegen. Hier natürlich auch mit der notwendigen Ausbildung an einer
LFS bzw. bei den HiOrgs.
Eine Plane ist auch universell einsetzbar. Sie kann als Ablageplatz
genutzt werden, zum Abdichten von Staustellen oder mit der Steckleiter
als provisorischer Auffangbehälter.
All dies sind Ideen und Vorschläge, wie ein älteres Fahrzeug
modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht werden kann. Wie
viel davon umgesetzt werden kann, hängt zum Einen natürlich vom
Fahrzeug ab, das modernisiert werden soll, zum Anderen natürlich auch
von der Finanzkraft der Gemeinde bzw. der Feuerwehr.
Christian Fleschhut / Daniel Gehlen
26.01.2009

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