Sinnhaftigkeit eines VRW

Auszug aus http://www.einsatzpraxis.org/de/home/buecher/einsatzfahrzeuge_-_typen.html

Aus taktischer Sicht ist für VRW zu beachten:
Effizienter als die Beschaffung eines VRW (Kosten mindestens ca. 80.000 bis 150.000 Euro!) dürfte bei der in den deutschsprachigen Ländern vorherrschenden Feuerwehrdichte in aller Regel die Beschaffung und Verteilung mehrerer entsprechender Gerätesätze für die THL für mehrere Feuerwehren inkl. deren Ausbildung sein. Diese Einheiten sind dann in den Alarm- und Ausrückeordnungen (AAO) auch zu berücksichtigen, vgl. GRAEGER, 2003 und THL-Bücher dieser Buchreihe. Eine entsprechende Ausbildung ist unbedingt notwendig, wie auch eine Mindesteinsatzerfahrung möglich sein sollte.

2 bis 4 FA auf einem VRW sind niemals so wirksam einzusetzen, als 1/5 auf einem geeigneten Erstangriffsfahrzeug, weil zu viele gleichzeitige Aufgaben zu bewältigen sind, vgl. SÜDMERSEN, 2002.

Weitere Anmerkungen zum Thema VRW vom Team www.FEUERWEHR.de:

Geschichte des VRW zum besseren Verständnis:
Mit der höheren Verkehrsdichte  entstand ab 1960 die Notwendigkeit eingeklemmte Unfallopfer schnell aus dem Fahrzeug zu befreien zu können. Die gängigen Geräte- und Rüstwagen der damaligen Zeit waren jedoch zu groß und schwerfällig um schnell vorankommen zu können. Da eine flächige Verbreitung dieser Fahrzeuge aber nicht gegeben war mussten diese weite Strecken zurücklegen. Außerdem besaßen sie keine hydraulischen Rettungsgeräte. Mit den ersten aufkommenden Schneid- und Spreizgeräten wurde deshalb 1974 von der Björn-Steiger-Stiftung und der Stuttgarter Feuerwehr das Konzept eines Schnellbergungswagens (SBW) entwickelt und auf einem Range Rover-Fahrgestell aufgebaut. Das Fahrzeug wurde am 15. Mai 1974 in Dienst gestellt. Abgeleitet von diesem Prototyp entwickelten sich zunächst die VGW (Vorausgerätewagen), und später die Vorausrüstwagen (VRW) mit fest eingebauten Hydraulikaggregaten. Die ersten hydraulischen Rettungsgeräte wurden auf diesen Vorgängern des VRW mit vergleichsweise geringer Dichte über das Land verteilt, und bei Bedarf zu umliegenden Gemeinden im Rahmen der Überlandhilfe entsandt, um die dortige Feuerwehr bei der Rettung zu unterstützen
.(1

Heutige Situation:
  • Die Dichte an Rettungsmitteln für die THL wurde enorm gesteigert. Es ist heute nicht mehr üblich, dass eine Feuerwehr wie vor 40 Jahren viele Kilometer über Land fährt um den einzigen (!) Rettungssatz vor Ort zu schaffen.
  • die mit dem VRW ausgerückte Mannschaft verzögert (!) das Ausrücken des 1. "richtigen" Löschfahrzeugs, da schon 2-4 FA unterwegs sind
  • Eine VRW-Besatzung wird regelmäßig mit der Summe der gleichzeitig zu bewältigenden Aufgaben (Verkehrsabsicherung, Erkundung, Lagemeldung, Patientenbetreuung) überfordert sein und erfahrungsgemäß nicht konform den Dienstvorschriften vorgehen.
  • Ein Ersteinsatz im Bereich Technische Hilfeleistung verlangt in aller Regel nicht das auf VRW verblastete schwere technische Rettungsgerät, sondern Manpower (Erkundung, Lagemeldung, Absicherung, Betreuung), Material zur Absicherung verunfallter Fahrzeuge (Unterbaumanagement)  und eine medizinische Grundausstattung zur Erstversorgung. All dies kann ein Erstangreifer in Form eines LF/HLF weitaus besser leisten!
  • Der Zeitvorteil PKW vs. LKW wird in vielen auf www.FEUERWEHR.de diskutierten Fällen überschätzt! Eine reale Erhebung der gefahren Durchschnittsgeschwindigkeiten ist sinnvoll. (Die BF Frankfurt/Main hat ihre Krad eingemottet, nachdem sich herausgestellt hat, dass der Geschwindigkeitsvorteil gegenüber üblichen Feuerwehrfahrzeugen marginal war!)
  • die auf vielen VRW mitgeführten "Lösch"-vorrichtungen haben in Praxisversuchen mit realer Vorbrandzeit immer wieder versagt. Es ist nicht möglich mit derartigen Vorrichtungen einen realen Fahrzeugbrand zu bekämpfen!
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(1
www.wikipedia.de -> Vorrausrüstwagen

Markus Weber

02.09.2008

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© www.FEUERWEHR.de, Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Mayer


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