Blausäure (HCN)

Allgemeines

  • Blausäure ist eine Lösung des Gases Cyanwasserstoff (HCN) in Wasser. Oft wird aber auch reiner Cyanwasserstoff als „Blausäure“ bezeichnet.
  • Die hier gemachten Angaben gelten auch für die Salze der Blausäure, die Cyanide, z. B. Kaliumcyanid („Zyankali“).
  • Alle Cyanide setzen bei Kontakt mit Säuren große Mengen gasförmigen Cyanwasserstoff frei!
  • Auch bei Kontakt von Cyaniden mit Wasser kann Cyanwasserstoff in geringeren Mengen entstehen.

Eigenschaften
  •   Sicherheitstechnische Kennzahlen in Erfahrung bringen!
  • HCN kann mit Luft zündfähige Gemische bilden (hochentzündlich)
    • untere Explosionsgrenze: 5,4 Vol.-%
    • obere Explosionsgrenze: 46,6 Vol.-%
    • Flammpunkt: -18 °C
    • Zündtemperatur: 535 °C
  • ungefähr gleich schwer wie Luft (HCN, Molmasse 27, theor. Dichteverhältnis 0,95)
  • Stark wassergefährdend! (WGK 3)
  • 1 l flüssiger Cyanwasserstoff ergibt bei vollständiger Entspannung ca. 550l Gas.
  • Geruchsschwellenwert: 0,2 - 5 ppm
  • 20 - 40% der Menschen können Cyanwasserstoff aufgrund einer genetischen Veranlagung nicht riechen! Bei den Übrigen schnelle Gewöhnung des Geruchssinns!
  • Atemgift mit Wirkung auf Blut, Nerven und Gewebe. 270 ppm wirken innerhalb von Sekunden tödlich. Sehr schnelle Aufnahme über die Atmung und über den Magen (aus Flüssigkeiten / Feststoffen).
  • Cyanwasserstoff blockiert den Stoffwechsel in den Körperzellen (Zellatmung).
  • Cyanwasserstoff kann leicht über die Haut aufgenommen werden!
  • MAK-Wert: 10 ppm (Senkung auf 2,1 ppm ist geplant), ETW 3,5 ppm!

Erscheinungsmerkmale
  • Bittermandel- oder marzipanartiger Geruch
  • 20 - 40% der Menschen können Cyanwasserstoff aufgrund einer genetischen Veranlagung nicht riechen! Bei den Übrigen schnelle Gewöhnung des Geruchssinns!
  • Farblose Flüssigkeit (Siedepunkt: 25,7 °C) mit hohem Dampfdruck, bildet farblose Dämpfe.
  • Lagerung und Transport in Gasflaschen, Behälterfahrzeugen oder Kesselwagen.

  • Gefahrnummer 663
  • UN-Nummern: UN 1051 Cyanwasserstoff, wasserfrei, stabilisiert
  • UN 1613 Blausäure, Konzentration <= 20 %
  • UN 1614 Cyanwasserstoff, adsorbiert in poröser Masse
  • Dazu diverse UN-Nummern der unterschiedlichen Cyanide!

Nachweis
  • Geruch (wenn subjektiv riechbar!)
  • Prüfröhrchen: HCN, Blausäure
  • pH-Papier

Verwendung
  • Wichtiger Grundstoff für die Kunst- und Farbstoffherstellung.
  • Begasungsmittel für Mühlen, Schiffe, Speicher.
  • Cyanide werden häufig in der Metallveredlung (Verzinkereien u. ä.) und in der Edelmetallgewinnung eingesetzt. Zum Teil mehrere 1000 Liter Cyanidlösungen in offenen Bädern!
  • Entsteht als Brandrauchinhaltstoff bei der Verbrennung von Eiweiß (Federn!) oder stickstoffhaltigen Kunststoffen (z. B. Polyurethan).
  • Betriebe, die mit Cyanwasserstoff oder mit Cyaniden arbeiten, haben häufig automatische Blausäure-Warnanlagen.
  • Cyanwasserstoff kann als chemischer Kampfstoff verwendet werden.

Maßnahmen
  • Gefahrenbereich sofort absperren!
  • Chemikalienschutzanzug (CSA)!

Austritt oder Entstehung von Cyanwasserstoff
  • Wolke mit viel Wasser durch Sprühstrahl niederschlagen (vollständig löslich).
  • Es entsteht eine Lösung (Blausäure), die schwach sauer reagiert und je nach Konzentration des Cyanwasserstoffs stark giftig ist.
  • Löschwasserrückhaltung prüfen! Einleitung des Abwassers in die Kanalisation ist mit der zuständigen Fachbehörde abzuklären.
  • Zündgefahr beachten! (Es ist grundsätzlich möglich, größere Mengen zur Gefahrenabwehr in Brand zu schießen, dies erfordert aber eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung UND geeignete Technik!)
  • Behälter mit reinem HCN vor Erwärmung schützen/kühlen! Produkt kann bei Erwärmung polymerisieren (Behälterzerknall!).
  • Druckgasbehälterventil schließen, Leckage abdichten.
  • Dekontamination mit viel Wasser durchführen.

Rettungsdienst
  • Cyanwasserstoff ist hautresorptiv und durchdringt Latex-Handschuhe leicht!
  • Alle Maßnahmen unter geeigneter Schutzkleidung durchführen (Atemschutz, Säureschutzhandschuhe, bei starker Kontamination CSA)!
  • Keine direkte Atemspende! Gefahr der Selbstvergiftung durch Ausatemluft des Verletzten! Beamtungsgeräte verwenden!
  • Nach Verschlucken kann sofortiges Auslösen von Erbrechen lebensrettend sein (nur bei vorhandenem Bewusstsein!).
  • Bei Verdacht auf Inhalation/Hautkontakt grundsätzlich Notarzt hinzuziehen!
  • Therapie mit 4-DMAP und 10 % Natriumthiosulfatlösung. Wird in entsprechenden Betrieben oft vorgehalten! Nachfragen!
  • Benetzte Haupartien 15 Minuten mit viel Wasser spülen.
  • Vergiftete fallen durch rosige Haut auf.

Folgemaßnahmen
  • Geborgene Behälter kennzeichnen (Produkt- oder Gasflaschenanhängekarte) und einer fachgerechten Entsorgung zuführen.
  • Dekontamination von Mannschaft und Gerät mit Wasser.
  • Ggf. kontaminiertes Wasser entsorgen, Löschwasserrückhaltung

Benachrichtigen
  • Rettungsdienst
  • Ggf. Giftinformationszentrale
  • Polizei
  • (Untere) Wasserbehörde
  • Ggf. TUIS
  • Ggf. Gasflaschenlieferant
  • Ggf. nächstes Gasflaschenabdichtset
  • Ggf. nächster Gasflaschenbergebehälter

Literaturhinweise
  • Landesumweltamt NRW: Informationssystem gefährliche Stoffe IGS-Fire, Version 4.0, Stand 12/2001
  • ICE: Emergency Response Information Cards (ERIC), Blatt 6-31
  • Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz BIA: GESTIS-Stoffdatenbank, Stand 06/2003
Autor: Dr. A. Bräutigam in Cimolino "Einsatzleiterhandbuch Feuerwehr"

Markus Weber

02.11.2008

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© www.FEUERWEHR.de, Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Mayer


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