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Mineraldünger (Handelsdünger)
Begriffsbestimmung
Düngemittel unterscheiden sich prinzipiell in organische Dünger und
anorganische Dünger. Uns interessieren hier die anorganischen Dünger
(Handelsdünger, Mineraldünger oder umgangssprachlich Kunstdünger).
Organische Dünger, also Gülle, Jauche, Festmist lassen wir außen vor.
Dünger unterscheiden sich prinzipiell in vier Gruppen:Gruppe A (zur detonativen Umsetzung fähig!)
[Ammoniumnitrat u.a.] Düngemittel der Gruppe A werden in Deutschland
nicht in Verkehr gebracht, ein Handel ist aber sehr wohl möglich! (Zu
beachten bei Bränden in entsprechenden Betrieben / Umschlagplätzen).
Ebenso können detonative Stoffe bei der Herstellung anderer Düngerarten
entstehen!Gruppe B
Zubereitungen, die zur selbstunterhaltenden fortschreitenden thermischen Zersetzung fähig sind.
Beispiele: NPK- und NK-Dünger. ACHTUNG! Im Gegensatz zu den Aussagen in
meinem Einsatzleiterhandbuch (Cimolino) werden diese Mineraldünger sehr
wohl in Deutschland vertrieben!Gruppe C
Zubereitungen, die weder zur selbstunterhaltenden fortschreitenden
thermischen Zersetzung noch zur detonativen Umsetzung fähig sind,
jedoch beim Erhitzen Stickoxide entwickeln.
Beispiele: Kalkammonsalpeter, Ammoniumnitrat mit Schwefel,
Stickstoff-Magnesia, Ammonsulfatsalpeter, NP-, NPK- und NK-Dünger (mit
amtlichem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung, BAM)Gruppe D
Zubereitungen, die in wässriger Lösung oder Suspension ungefährlich, in
kristallisiertem Zustand unter Reduktion des ursprünglichen
Wassergehalts jedoch zur detonativen Umsetzung fähig sind.
Beispiele: Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung, NP-, NK-, PK- und NPK-DüngerlösungenHandelsformen
Mineraldünger der Gruppe A-C werden in der Regel pelletiert gehandelt.
Die üblichen Handelsvolumen sind Sackware (50kg, eher selten) und die
Beschickung von betriebseigenen Silos mit Silozügen (30-60m³). Die
Gruppe D wird in der Regel in IBC-Containern (1m³) oder seltener mit
Silozügen gehandelt. (pelletierter Dünger) (IBC-Container zur Lagerung von Flüssigdüngern der Gruppe D)Hinweise auf Zersetzung von Mineraldüngern
- Stechender Geruch
- Anfangs weiße, später gelbe bis braune Rauchentwicklung
- Hitzeentwicklung bis 500°C
- keine Flammen oder Lichterscheinungen
ACHTUNG: endgültiger Nachweis über Prüfröhrchen!
Eigenschaften von Düngemitteln
- ab ca. 130°C wird die Zersetzung eingeleitet
- MAK: 5ppm
- ETW: 10ppm (Achtung, einige Quellen nennen einen ETW von 1ppm)
- Bildung von nitrosen Gasen bei der Zersetzung (NOX)
Maßnahmen der Feuerwehr
- Feuer sofort mit allen geeigneten Mitteln löschen; die Anwesenheit
ammoniumnitrathaltiger Düngemittel erfordert keine Einschränkung der
Löschmittel für die Feuerbekämpfung. Düngerzersetzungen sind nur mit
Wasser zu bekämpfen. Löschpulver, CO2, Schaum oder abdecken mit Sand
ist WIRKUNGSLOS
- Abzug der Zersetzungsgase durch Öffnen aller Fenster ermöglichen
oder beschleunigen. Zusätzliche Öffnungen schaffen, z. B. durch
Einschlagen des Daches.
- Zersetzungsgase nicht einatmen. Atemschutzmaske mit Filtereinsatz
für nitrose Gase (NO-Filter blau) bietet nur kurzzeitig Schutz. Bei
stärkerer Rauchentwicklung, insbesondere in Gebäuden und bei nicht
hinreichend bekannten Einsatzbedingungen, sind umluftunabhängige Geräte
(z. B. Pressluftatmer) erforderlich.
- Windrichtung beachten, Schaulustige fern halten, gegebenenfalls Verkehr umleiten.
- Nach Einatmen von Zersetzungsgasen ärztliche Behandlung
veranlassen. Patienten an frische Luft bringen und allseitig warm
halten. Dem Arzt mitteilen, dass in den eingeatmeten Gasen Stickoxide
(nitrose Gase), Chlor, Chlorwasserstoff (Salzsäure) und Ammoniak
enthalten sein können.
- Hitzeeinwirkung auf benachbarte Düngemittel verhindern,
gegebenenfalls durch Ausräumen. Beginnende Zersetzung von Produkten der
Gruppe B mit viel Wasser bekämpfen.
- Eine Überwachung der Umgebungsluft, z. B. mit Gasspürgeräten und
Prüfröhrchen für nitrose Gase, kann die Entscheidung über die
Notwendigkeit und über Art und Dauer von zu treffenden Schutzmaßnahmen
erleichtern. Windrichtung beachten. In der bewohnten Umgebung des
Einsatzortes Atmosphäre mit Gasspürgeräten kontrollieren. Bei
Schadstoffkonzentrationen von mehr als 10 ppm nitrose Gase (NO + NO2)
in der Umgebungsluft Bevölkerung warnen, z. B. mit folgender
Aufforderung: „Achtung, Rauchentwicklung durch Düngemittelzersetzung.
Wohnungen aufsuchen! Fenster und Türen schließen! Belüftung abschalten!
Weitere Informationen der Feuerwehr oder Polizei abwarten!“
- Bei der Einwirkung von Hitze auf feste ammoniumnitrathaltige
Düngemittel in Silobehältern, z. B. bei Feuer, Transportunfall oder bei
Fahrzeugschäden, unbedingt Druckanstieg durch Düngemittelzersetzung
beachten: Silobehälter über Armaturen entspannen, Behälterverschlüsse
und Deckel öffnen, den Behälter mit Wasser im Sprühstrahl von außen
kühlen und bei einer Schwelzersetzung im Behälter mit Wasser fluten.
Falls vorhanden, sind Löschlanzen zu benutzen.
- Bei Düngemittellösungen der Gruppe D kann durch Zugabe von Wasser
ein Auskristallisieren verhindert werden. Auskristallisierende Produkte
können detonationsfähig sein!
Zusätzliche Maßnahmen für Gruppe B
- Düngemittelzersetzung nur mit Wasser bekämpfen.
- Erkennbaren Herd der Düngerzersetzung mit Schaufel oder
Schaufellader abtrennen und mit Wasser abkühlen. Anderenfalls
Vollstrahl oder insbesondere bei großen Schüttguthaufen Löschlanzen auf
den Herd der Zersetzung richten, bis Wasserdampfentwicklung aufhört.
- Bei nicht erkennbarem Zersetzungsherd Wasser-Sprühstrahl auf die Dünger-Oberfläche geben.
- Die Brandwache nach Beendigung der Löscharbeiten länger als üblich (über mehrere Stunden) vorsehen.
Unbedigt an Löschwasserrückhaltung denken! Mineraldünger sind wasserlöslich! In der Regel fallen Mineraldünger in die WGK 1.
Benachrichtigen:
- Untere Wasserschutzbehörde
- TUIS
- untere Umweltbehörde
- Patienten bei Einlieferung mit Verdacht auf NOX-Intox anmelden
Quellen
Markus Weber
27.01.2009

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