Guten Tag die Damen und Herren, werte Kollegen Löschknechte und -mägde
Aus gegebenen Anlaß habe ich mich dazu entschlossen, zur laufenden
Diskussion einmalig einige grundlegende Bemerkungen zu machen.
Wer dieses Posting unter dem Eindruck liest, daß ich für oder gegen die
eine oder andere Technologie der Brandbekämpfung bin, kann sich die
weitere Lektüre meiner Stellungnahme von vornherein sparen.
Entscheidend für die ganze Geschichte ist nämlich zu verstehen, daß
meine Meinung völlig unwichtig ist. Wer meine Meinung über das eine
oder andere hören will, der kann mit mir gerne bei Gelegenheit ein oder
zwei Bier trinken gehen.
Dem um Objektivität bemühten Betrachter stellt sich allerdings
folgendes interessante Bild dar: Alle paar Monate taucht irgendwo auf
der Welt irgend jemand mit einer Wunderwaffe zur Brandbekämpfung auf.
Das kann nur ein neues Strahlrohr sein, ein Schaummittel oder anderer
Löschwasserzusatz, oder z. B. HD-Systeme. Dazu gibt es dann immer ein
paar Referenzen, ein paar spektakuläre Bilder, und irgendwelche
"Versuche". Diese Versuche zeichnen sich dann üblicherweise dadurch
aus, daß sie meßtechnisch gar nicht oder schlecht begleitet sind, daß
zu wenige Versuche gemacht wurden, um statistisch valide Aussagen zu
machen, usw. usw. Vernünftige Berichte gibt's schon mal gar nicht. Eine
Gesetzmäßigkeit trifft jedoch fast immer zu: Je weiter der Versuchsort
entfernt ist (.... Timbuktu ..... ), desto durchschlagender ist der
Löscherfolg (... 13 Liter für ein Lagerhaus im Vollbrand ...).
Und dann gibt es da noch eine andere Seite: Unabhängig von Herstellern
und Vertreibern gibt es viele unabhängige Forschungsstellen, Verbände
und Unis, die bemüht sind, die Flut von wichtigen und unwichtigen
Informationen zu sieben, und/oder eigene Versuche durchführen, dazu
gehören z. B. WPI, Texas A&M, NIST, UL, FM, SRV, FSC/FRDG, IAFSS,
SFPE, IdF, Forschungsstelle Karlsruhe, usw. usw. und nicht zuletzt die
gute alte BUGHW.
Beginnt man also mit einer Recherche, dann zeigt sich ganz schnell, daß
sich diese Wunderwaffen irgendwie gar nicht in den Fachpublikationen
und Forschungsvorhaben widerspiegeln. Sondern man ist auf einmal mit
unheimlich differenzierten Berichten konfrontiert, deren Auswertung
einen ganzen besonderen Reiz hat. Genau das habe ich getan so (so ca.
30 Aktenorder voll), bevor ich mein Buch geschrieben habe, und liebe
Leute, was da über "Hochdruck" herauskommt, ist nun mal gar nicht so
klasse. Mir soll jetzt bitte keiner erklären, es gäbe eine weltweite
Verschwörung der Forschungseinrichtungen gegen Hochdruck. Im
Gelegenheit, da gibt es kiloweise Papers über Hochdruck, aber über
stationäre Anwendung, weiteres siehe mein Buch.
Zufällig sitze ich auch gerade in einer Arbeitsgruppe, die sich
Gedanken über die Anwendung und Zulassung von Wassernebellöschanlagen
macht, u. a. zusammen mit einem großen Versicherer, Herstellern und
Kollegen aus D, CH und I. Da äußerst sich keiner in so pauschalem Stil,
wie das leider hier oft passiert. Da wird viel, viel sorgfältiger und
differenzierter vorgegangen. Bis so eine Wassernebellöschanlagen
erstmal berechnet, die Düsen ausgewählt, auf die Brandlast abgestimmt
und eingerichtet ist, die gesamte Anlage aufgebaut und kalibiert ist,
braucht's schon ein bißchen mehr, als gemeinhin vermutet wird.
Der Hersteller einer kleinen mobilen Löschanlage ist jedoch, was sein Marketing angeht, fast immer auf der sicheren Seite:
1.) Das Argument, daß ein TSF, LF 8 oder 16-TS mit einer HD-Anlage, was
kleine Brände angeht, "schlagkräftiger" ist, zieht immer.
2.) Wenn eine Feuerwehr mit einer XYZ-Anlage einen Brand ausbekommt,
wird das auf der eigenen Homepage gepostet, wenn sie es nicht schafft,
erfährt es eh' keiner und gepostet wird dann erst recht nichts.
3.) Falls das Feuer zu groß war für die Anlage XYZ kann der Hersteller
immer sagen "Ja - war doch klar, dafür ist meine Anlage auch gar nicht
gedacht"
Was bei meinen Recherchen und Arbeiten über einen Zeitraum von ca. 7
Jahren herausgekommen ist, habe ich dargestellt, und das sind (man
könnte fast "leider" sagen) Weisheiten, die schon in de 1930er Jahren
bekannt waren: Universelle, wirksame Brandbekämpfung funktioniert mit
einem leidlich ausgebildeten Strahlrohrführer bei Normaldruck mit
Netzwasser und Hohlstrahlrohr (und ohne viel Wasserschaden!). Und dazu
war ich auch noch viel im Ausland (Hochdruck in England, 500 l/min in
USA ... ) und habe mir das auch noch mal in Ruhe angeschaut.
Schließlich habe ich auch noch eigene Versuche gemacht und auch hier
alle Daten offengelegt.
Fällt denn wirklich niemanden ein Qualitätsunterschied z. B. zwischen
meiner Veröffentlichung im Brandschutz 07/2001 oder in der vfdb 2/2001
und der in der Österr. Fw. 06/2001 oder irgendwelchen Homepages auf?
Hat denn neuerdings der "Recht", der die schönsten Bilder im Web hat
oder das Bild für das Mittenposter im Fw-Magazin zur Verfügung gestellt
hat?
Des weiteren schaut Euch doch bitte einmal, was es sonst noch für
deutschsprachige Literatur zum Thema Brandbekämpfung gibt?
Quellenangeben? Berücksichtigung nicht genormter Geräte? Diskussion
verschiedener Taktiken und Möglichkeiten? Ganzheitlicher Ansatz, dh.
incl. Technik, Taktik, Ausbildung, Logistik, usw.? Verknüpfung von
Theorie und Praxis?
Meine Meinung - wie gesagt - ist dabei völlig egal, ich habe
zusammengetragen, moderiert, und zusammengefaßt und im Unterschied zu
vielen, die viel sagen, versprechen und behaupten, habe ich auch alle
benutzten Quellen angegeben.
Keines Flanke ist so offen wie meine. Falls also in der letzten Zeit
bahnbrechende neue Erkenntnisse gemacht worden sein sollten und diese
in einer angemessenen Form dokumentiert worden sind, so können sie
gerne an den ecomed zu meiner Verfügung gesandt werden.
Leute, laßt Euch doch nicht immer von irgendwelchen Werbefuzzies
verrückt machen. Ihr habt doch im Prinzip gute Ausrüstung, bei der
nächsten Beschaffung könnt Ihr ja in die oben skizzierte Richtung
gehen. Und wenn Ihr Euch dagegen entscheidet, ist das auch ok.
Ich erlaube mir, aus meinem Buch zu zitieren:
"Es wird nicht bestritten, daß es möglich ist, mit Hoch- oder
Höchstdrucklöschgeräten bestimmte Kleinbrände zu löschen. Im
Umkehrschluß wird es aber wohl kein Szenario geben, in dem ein
Hochdrucklöschgerät gerade noch ausreichen würde, das ein erfahrener
Strahlrohrführer mit konventionellen Mitteln nicht auch unter Kontrolle
brächte, im ungünstigsten Fall mit einem CM-Rohr."
Diese Aussage ist m. E. immer noch gültig.
Viel wichtiger als die Frage "wer Recht hat", ist doch der Prozeß der
Erkenntnisgewinnung, d. h. das Sich-Auseinandersetzen mit der Materie
aufgrund echter, valider, verlässlicher Daten. Und die zu finden, das
ist die Kunst.
Die für mich persönliche Konsequenz aus meiner Arbeit - und jeder
andere mag eine andere ziehen - ist, daß ich einen vernünftigen
Löschangriff wie oben skizziert auf die Reihe kriege, und daß es - für
mich persönlich - bisher keine bessere und vor allem keine bessere
universelle Lösung gibt. Wer meint - und hier könnt Ihr mich gerne
arrogant nennen - , über bessere Informationen in einer vernünftigen,
neutralen Qualität zu verfügen, der möge den ersten Stein werfen, aber
mich so lange in Ruhe lassen, bis er seine Hausaufgaben gemacht hat.
Ich wünsche allerseits eine sichere Heimkehr von den Einsätzen.