Photovoltaik, Solaranlagen

Allgemeines

Photovoltaik- bzw. Solaranlagen haben sich in den letzten Jahren nicht nur als Dachanlagen auf unterschiedlich genutzten Gebäuden, sondern auch als Freilandanlagen etabliert. Mittlerweile werden Anlagen immer größeren Ausmaßes und höherer Spannungen installiert, die ihrer Leistung nach als Kraftwerke eingestuft werden können.


Aufbau
Bei PV-Anlagen wird das auftreffende Licht in den Modulen in elektrische Energie umgewandelt. Dabei treten unterschiedliche Spannungshöhen und Stromstärken auf. Der erzeugte Gleichstrom wird durch unterschiedliche Verschaltungen (Reihen- und/oder Parallelschaltung) in sog. Strings zusammengeführt und im Wechselrichter zu nutzbarem Wechselstrom gewandelt. In neueren Anlagen sind häufig DC-Freischaltstellen auf der Gleichspannungsseite unmittelbar vor dem Wechselrichter installiert. Mit dieser Einrichtung ist ein Trennen des Wechselrichters von den Modulen möglich.

Achtung: Ein Freischalten der Gleichspannungsleitungen zwischen PV-Modul und Wechselrichter bzw. DC-Freischaltelement ist nicht möglich.


Gefahren
Gefahren bei PV-Anlagen können nach dem allgemeinen Gefahrenschema durch
  • Atemgifte
  • Einsturz / Absturz
  • Elektrizität
entstehen. Hauptsächlich treten diese Gefahren bei Bränden auf, jedoch ist auch bei Unwetterlagen (z.B. Überschwemmungen) die Gefahr der Elektrizität zu berücksichtigen.

Gefahr durch Atemgifte
Durch die Beschaffenheit der Module, der elektrischen Leitungen und Bauelemente werden im Brandfall toxische Brandgase freigesetzt. Diese Brandgase unterscheiden sich in der Zusammensetzung jedoch nicht von den üblichen Brandgasen eines Wohnungs- bzw. Hausbrandes mit festen Brennstoffen wie z.B. Kunststoffe.

Gefahr durch Einsturz / Absturz
Die Gefahr des Absturzes bzw. des Einsturzes geht hauptsächlich von den PV-Modulen aus. Da diese nicht in Bauteilklassen bzw. Feuerwiderstandsklassen eingeteilt sind, kann keine Aussage über den Brandverlauf und damit z.B. das Bersten der PV-Module oder die Zeit bis zum Verlust der Tragfähigkeit des Trägersystems getroffen werden.
Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Module nicht komplett abstürzen, vielmehr neigen sie dazu mit dem Dachstuhl nach innen einzustürzen. Dies soll und kann aber nicht als Garantie genommen werden, dass ein Abstürzen der Module nicht möglich sein kann.

In einem Brandfall muss auch die erhöhte und meist einseitige Dachlast durch die PV-Anlage bei der Gefahr des Einsturzes des Dachstuhls berücksichtigt werden.
Auch wenn bei professioneller Installation keine wesentliche Gefahr durch Absturz der Module besteht, existiert durch die Splitterwirkung der berstenden Glasscheiben der Module eine erhebliche Gefahr für die Einsatzkräfte. Deshalb ist der Bereich zu meiden und wenn nötig müssen geeignete Schutzmaßnahmen (wie z.B. Visier, oder Absperrung des Trümmerschattens) ergriffen werden. Die Module sind auf Grund ihrer zu geringen Tragfähigkeit nicht begehbar!

Gefahr durch Elektrizität
An jedem Modul liegt bei Auftreffen von Licht sofort Spannung an! Auch diffuses Licht reicht dazu aus. Ebenso das Anleuchten mit Scheinwerfern.

Einzelne Module stellen durch die geringe Spannung keine Gefahr dar. Jedoch werden die Module zu Strings mit Spannungen derzeit bis zu 900 V DC verschaltet. So können besonders im Bereich der elektrischen Leitungen und an den Schaltkästen Gefahren für Einsatzkräfte bestehen. Durch die hohen DC-Spannungen ist ebenso die Gefahr eines Lichtbogens gegeben, der gegebenenfalls über die Isolierung wandern kann.

Achtung: Diese Gleichspannung kann nicht abgeschaltet werden!

Eine mittelbare Gefahr geht jedoch von jeder Art von Elektrizität ab einer gewissen Spannung aus, da aus den Reflexbewegungen bei einem elektrischen Schlag Verletzungen oder u. U. sogar ein Absturz der betroffenen Person resultieren können.


Einsatzvorbereitung
  • Einsatzpläne / Installationspläne für große Anlagen
  • Forderung nach Kennzeichnung von Anlagenteilen und DC-Leitungen
  • Forderung von Unterteilung der Modulflächen, um Brandbekämpfung zu ermöglichen
  • Forderung nach Teilung der Modulflächen gemäß Brandbekämpfungsabschnitten
  • Forderung nach regelmäßiger Überprüfung der Klemmverbindungen
Maßnahmen

Einsatzgrundsätze
  •  umluftunabhängigen Atemschutz tragen
  • einsturz- und absturzgefährdete Bereiche (Trümmerschatten) absichern und nicht betreten
  • während des gesamten Einsatzes die Schutzabstände zu spannungsführenden Teilen nach DIN VDE 0132 beachten
  • Gefährdung durch herabhängende bzw. freigebrannte elektrischen Leitungen und Anschlusskästen beachten
  • Trennschalter vor dem bzw. integriert im Wechselrichter betätigen soweit vorhanden (erst für Anlagen ab Mitte 2006 vorgeschrieben, VDE 0100-7-712).
  • VOR dem Freischaltelement liegt dann immer noch Spannung an!
  • Trennen der elektrischen Verbindungen nur durch Fachpersonal (Gefahr des Lichtbogens)
  • Zerstören der PV-Module bewirkt keine Spannungsfreiheit, sondern die Gefahr freiliegender spannungsführender elektrischer Leiter – Berührungsgefahr und als Folge elektrischer Schlag
  • Das lichtdichte Abdecken der Module verhindert dort die Spannungserzeugung. Achten Sie auf (wind-)sichere Befestigung der Abdeckung!
  • bei Löschmaßnahmen:
    • nur Sprühstrahl verwenden
    • Sicherheitsabstände berücksichtigen; VDE 0132!
  • überschwemmte Bereiche nicht betreten
  • Fachpersonal / Anlagenbetreiber zu Rate ziehen
  • nach Beendigung des Einsatzes Anlage durch Fachpersonal freischalten lassen und Anlage elektrisch gesichert zurücklassen
  • Beachtung des Kamineffektes bei großen PV-Modul-Flächen durch Luftströmungen unterhalb der geschlossenen Modulfläche

Literaturhinweise:
  • BP: www.solar-rueckruf.de
  • Staatliche Feuerwehrschule Würzburg (Hrsg.): Merkblatt Fotovoltaik-Anlagen, Stand 07/2005
  • vfdb Ref. 5: Merkblatt Einsätze an Photopholtaik-Anlagen (Solaranlagen zur Stromgewinnung), Januar 2007
  • www.solarthemen.de

Aus: Cimolino, U. "Einsatzleiterhandbuch Feuerwehr" Autoren: J. Huber, H. Thiem, U. Cimolino. 

Markus Weber

28.10.2008

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© www.FEUERWEHR.de, Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Mayer


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