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Schornsteinbrände
Allgemeines
Erscheinungsbild
- Dichte, gepresste, anfangs hellweiße, später schwarz/gelbe Rauchwolken.
- Starker Funkenflug (Flocken- bzw. Staubrußbrand).
- Lange Flammen schlagen aus dem Schornstein (Glanzrußbrand).
Nachweis
-
Hohe Außentemperatur des Schornsteines (ca. 100-300°C), besonders bei Altbauten.
- Flammen-, Funken- und Glutbildung im Schornstein.
- Starke Rauchentwicklung und Funkenflug.
Gefahren
-
Brandausbreitung durch Funkenflug.
- Mögliche Verstopfung des Schornsteines durch Quellverhalten des Rußes.
- Brandausbreitung durch Wärmeleitung und –strahlung, vor allem in
Altbauten, möglich. (Auf Hohlräume und Zwischendecken achten,
möglichst. Wärmebildkameras benutzen!)
- Durchbrennen von alten, nur mit Blechdeckeln verschlossene, unbenutzten Feuerstättenanschlüsse.
- Rissbildung durch hohe Verbrennungstemperatur im Schornstein.
- Einsturzgefahr durch Längendehnung bei gezogenen Schornsteinen.
- Absturzgefahr von Schornsteinaufsätzen und -verlängerungen durch die Wärmedehnung.
- Abbrennen von über den Schornstein geführten (isolierten) Stromleitungen.
- Kurzschlussgefahr durch Schmelzen von an der Schornsteinwange verlegtenStromkabeln.
- Rauchaustritt durch Feuerstättenanschlüsse, Dehnungsrisse oder beschädigte Reinigungsverschlüsse.
- Aufgestaute, brennbare Gase können zu Verpuffungen führen!
Maßnahmen
Allgemeine Maßnahmen
-
Eigenschutz sicherstellen (evtl. Atemschutz, Hitzeschutz an den Händen und Schutzbrille)!
- Bezirksschornsteinfegermeister verständigen.
- Hausbewohner informieren; Zugang zu allen Wohnungen durch die der Schornstein führt schaffen.
- Brandausbreitung verhindern.
- Mannschaft und Gerät zur Ortung und Bekämpfung von Sekundärbränden
bereithalten. Dachfenster und Dachluken in der Umgebung schließen.
- Ständige Kontrolle der Außenflächen des Kamins auf allen Etagen,
brennbare Gegenstände wegrücken , Bilder und Kleidungsstücke abhängen,
angrenzende Holzkonstruktionen (Böden, Balken) evtl. kühlen. Dabei auf
Verhältnismäßigkeit der Mittel achten (unnötigen Wasserschaden
vermeiden!).
Brandbekämpfung
-
Kein Wasser zur Brandbekämpfung im Schornstein verwenden (Berstgefahr!)!
- Funkenflug im Außenbereich durch Wasserschleier niederschlagen.
- Feuerungsanlage abschalten, evtl. das Brandgut aus Feststofföfen ausräumen.
- Bereithalten von Löschmittel auf allen Geschossen!
- Funkverbindung zwischen Kehr- und Räumtrupp herstellen.
- Schornstein möglichst vom DACH (Nomexhaube und Schutzbrille tragen)
aus mit Schornsteinkehrgerät kehren, falls dies nicht möglich ist,
höchst gelegene Revisionsöffnung benutzen.Dabei VOR dem Öffnen erst Kehrgerät, Löschmittel, Hitzeschutz,
Löschdecke (falls die Revisionsöffnung durch den Brand
beschädigt/zerstört wurde) und Schuttmulde bereitstellen. Bei Reinigung
von der oberen Öffnung ZUERST nach oben mit den Stahlstangen aus dem
Schornsteinfegerwerkzeugsatz reinigen (Abzug der Brandgase durch
Thermik nach oben ermöglichen!). Schornstein nach unten zunächst nur
mit der Stahlkugel, besser einer Fallgranate, aber ohne Besen
durchkehren und vom unteren Trupp per Funk bestätigen lassen, wenn das
Kehrgerät die Schornsteinsohle erreicht hat.
- Metallgefäß mit Wasser zum Kühlen des Kehrgerätes bereithalten, bei
Holzböden ist zur Brandverhütung eine Löschdecke vor der
Reinigungsöffnung auszubreiten.
- An der am tiefsten gelegenen Öffnung ist der herausgekehrte Ruß bzw.
die Schlacke zu entnehmen und in Metallbehälter(Schuttmulde) zu füllen
(im Freien ablöschen!).
- Während des Kehrens untere Reinigungsöffnung verschließen.
- Bei gezogenen Schornsteinen besteht Einsturzgefahr, wenn die
unterstützende Konstruktion durch den Brand geschwächt oder zerstört
wird!
- Auf Zungendurchbrüche bei schräggeführten mehrzügigen Schornsteinen
achten (Kugel und Besen erscheinen dann an der Entnahmeöffnung in einem
anderen Schornstein als dem, wo sie eingelassen wurden)! Evtl. ist hier
eine andere Reinigungsöffnung zu benutzen oder unterhalb des
Durchbruchs muß eine Öffnung gebrochen werden.
- Hinweis: Der Einsatz von Pulverlöschern führt in den meisten Fällen
nicht zum gewünschten Erfolg. Gefahr der Pulverausbreitung im gesamten
Gebäude)
Abschließende Maßnahmen
-
Kontrolle des Schornsteininneren (mit Spiegel) und seiner Umgebung.
Hierzu möglichst auch Fernthermometer (IR-Thermometer) und/oder
Wärmebildkamera einsetzen.
- Nachkontrolle der Einsatzstelle (v.a. bei Schornsteinen aus
Mauerziegeln ohne Innenrohr und bei älteren Gebäuden) auch auf
Dehnungsrisse, diese ggf. zur späteren Schadensermittlung bzw.
-beseitigung markieren (Kreide, Bleistift).
- Einsatzstelle dem Bezirksschornsteinfegermeister oder V.i.A. übergeben.
Benachrichtigen:
- Bezirksschornsteinfegermeister
- EVU (Energieversorger) wenn Stromleitungen betroffen sind.
Literaturhinweise:
-
Bins: Brandschutz der Feuerungsanlagen, Die Roten Hefte, Nr. 23, Kohlhammer Verlag, Stuttgart,
- Staatliche Feuerwehrschule Würzburg: Winterschulung 2001/2002, Kaminbrände, brandwacht 6/2001
- Wendel, Klaus: Schornsteinbrandbekämpfung, Lehrunterlage.
Autoren: D. Aschenbrenner, K. Wendel in Cimolino, U. (Hrsg.) Einsatzleiterhandbuch Feuerwehren
Markus Weber
11.12.2008

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