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05.05.2010
Was muss der Mann am Strahlrohr wissen?
Korntal ♦
Truppmann Teil I, Sprechfunk, Atemschutzgeräteträger, Truppmann
Teil II, Truppführer – so sieht die FwDV 2 die Standardausbildung
zum Feuerwehrmann vor. Abgesehen davon, dass gerade die Truppmann
Teil II-Ausbildung in weiten Teilen Deutschlands stiefmütterlich
behandelt wird oder gar nicht stattfindet fehlen oft wesentliche
Ausbildungsinhalte. Eine Initiative im Landkreis Ludwigsburg will
dies ändern. Die
bisherige Ausbildung im Landkreis findet schon jetzt auf hohem Niveau
statt. Hohlstrahlrohrtraining, Suchtechniken und Rettung verletzter
Atemschutzgeräteträger haben Einzug in die Kreisausbildung
gehalten. Die Truppmann Teil II-Ausbildung wird wirklich
durchgeführt, und zwar nicht nur am Standort sondern im
Zusammenschluss innerhalb des Löschbezirks. Nun wurde unter Führung
des Korntaler Zugführers Hans-Jörg Stellmacher ein weiterer
Baustein für ein schlüssiges Ausbildungskonzept vorgestellt. Unter
der Fragestellung „Was
muss der Mann am Strahlrohr wissen?“
wurde ein Konzept erarbeitet, wie man dieses Wissen kompakt an einem
Samstag vermitteln kann. Dabei sollten sowohl Feststoff- als auch
Flüssigkeitsbrände betrachtet werden.
Am 24. April wurde ein „Probedurchlauf“ des Konzepts gestartet.
Als Übungsteilnehmer standen 16 Feuerwehrleute aus dem Landkreis
Ludwigsburg bereit, Heißausbilder aus Baden-Württemberg und Bayern
waren als Ausbilder angereist. Zusätzlich wurden Übungsbeobachter
aus dem Ostalbkreis und aus Rheinland-Pfalz eingeladen um die Übung
kritisch zu beobachten und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
Nach
der Begrüßung der Teilnehmer begann der Tag mit einem kurzweiligen
Theorieteil zum Thema „Rauch lesen“, vorgetragen von Volker
Schmidt (FF Illingen). Der Vortrag orientierte sich an den Unterlagen
von Koen Desmet (Brandweer Antwerpen) „Den Brand lesen“. Kurz
zusammengefasst lief es auf die Eselsbrücke „RLWF“ hinaus, die
sich die Teilnehmer für den Ernstfall einprägen sollten. RLWF steht
für Rauch,
Luft,
Wärme,
Flammen.
Mit diesen vier Kriterien ist es dem Strahlrohrführer möglich ein
Gespür für das Feuer zu entwickeln, dass ihn erwartet. Der Vortrag
wurde unterstützt durch entsprechende Bilder, so dass er leicht
verständlich und einprägsam war.
Im Anschluss sollten die gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis
vorgeführt werden. Dazu wurde von Tobias Burgard (FF Möglingen) und
Severin Frank (FF Göppingen) die Flash-Over-Box vorgestellt. Die ca.
60x60x40cm große Box aus Spannplatten stellte ein Wohnzimmer dar.
Nachdem es in Brand gesteckt wurde konnte den Teilnehmern am Merkwort
RLWF die Brandentwicklung demonstriert werden. Nachdem der Brand
entwickelt war wurde die Box mit einer Abdeckplatte verschlossen, in
der es nur ein „Fenster“ gab. Durch Abdecken dieser
Ventilationsöffnung konnte die Sauerstoffzufuhr kontrolliert werden
und so eine Rauchgasdurchzündung vorgestellt werden. Mit einer
kleinen Sprühflasche konnte das richtige Einbringen von Wasser in
den Brandraum demonstriert werden. Für die Teilnehmer eine
interessante Erfahrung, die die Verknüpfung zur zuvor gehörten
Theorie darstellte. Für
den folgenden Praxisteil wurden Kleingruppen mit jeweils acht
Teilnehmern gebildet. So bekam jeder Teilnehmer genügend Zeit sich
selbst in der Praxis zu beweisen und es kehrte keine Langeweile ein.
In diesem Praxisteil ging es um den Umgang mit dem Hohlstrahlrohr. Im
Seitenkriechgang wurde das Vorgehen mit Wasser am Rohr in einem
Brandraum beübt. Temperaturcheck, Brandgaskühlung und der richtige
„Flash-over-Reflex“, sollte es zu einer Durchzündung kommen.
Abgerundet wurde dieser Ausbildungsabschnitt durch eine
Ausbildungseinheit „Türöffnungsprozedur“ an einer
freistehenden, mobilen Stahltür konnten die Teilnehmer den richtigen
Umgang mit einer „heißen Tür“ und das anschließende Eindringen
in den Brandraum üben. Nach
einem stärkenden Mittagessen im Gerätehaus der FF Korntal stand der
zweite Teil des Ausbildungstages an. Für alle Teilnehmer gemeinsam
wurde nun das Dollhouse vorgestellt. Das Dollhouse ist eine
Weiterentwicklung der Flash-Overbox mit vier „Räumen“. Ein
Brandraum, direkt darüber ein weiterer Raum ohne Verbindung zum
Brandraum – so kann man ein mehrgeschossiges Haus mit zwei
übereinanderliegenden Wohneinheiten simulieren. Neben dem Brandraum
befindet sich der „Treppenraum“, der eine Verbindung zum
Brandraum hat. Darüber der „Treppenraum“ des „Oberge-schosses“,
der logischerweise mit dem darunter liegenden Treppenraum verbunden
ist. Am Dollhouse können neben den schon an der Flash-Over-Box
weitere Phänomene, wie die Brandausbreitung und speziell die Thermik
in brennenden Gebäuden eindrucksvoll dargestellt werden.
Wieder aufgeteilt in Kleingruppen wurde die Rohrvornahme und das
Schlauchmanagement im Gebäude geübt. Das richtige legen der
Schlauchreserve, das Abschätzen der notwendigen Reserve, Verwendung
von Schlauch-tragekörben und Schlauch-paketen wurden beübt. Als
schwierig für die Teilnehmer stellte sich das Nachziehen des
gefüllten Schlauchs und das saubere legen einer Schlauchreserve im
Treppenraum dar. Als weitere Möglichkeit der Schlauchnachführung
wurde der „Loop“ vorgestellt und auf die Notwendigkeit von
Schlauchhaltern hingewiesen. Als nächster Punkt wurde der richtige Einsatz von B-Rohren bei
Gebäudevollbränden beübt. Ein Szenario, welches mit normalen
Methoden gar nicht geübt werden kann. Deshalb wurde das Szenario von
Christian Schorer (FF Wasserburg, Bodensee) und Volker Schmidt
„verkleinert“. Als brennende Industriehalle wurde ein
Palettenstapel aufgebaut. Um die Löschwirkung eines B-Rohrs
darzustellen wurde ein D-Rohr eingesetzt, dass durch eine Blende
hinter dem Mundstück auf einen Düsendurchmesser von 0,8 – 1,2mm
reduziert wurde.
Das Szenario war für die Teilnehmer sehr lehrreich, eine
Dachziegelwäsche, statische Wasserabgabe in die Flammen („du bist
jetzt eine Drehleiter“) und die „Dachziegelwäsche“ führten zu
keinem Erfolg. Erst der systematische Einsatz des Rohres konnte eine
Löschwirkung erzielen.
Als letzter Punkt stand die Bekämpfung von Flüssigkeitsbränden auf
dem Ausbildungsplan. Auch dies ist ein Szenario, welches in der
Realität nicht geübt werden kann. Allenfalls wird auf einem
abgesperrten Gelände unter Optimalbedingungen und fehlendem
Flüssigkeitsbrand etwas Schaum produziert. Christian
und Jens Fischer (beide FF Wernau) stellten deshalb die Schaumbox
vor. Die Schaumbox enthält miniaturisierte Schaumrohre (Schwer-,
Mittel, Leichtschaum) und Zubehör zum darstellen verschiedener
Szenarien. Auch hier wurde den Teilnehmern deutlich vor Augen
geführt, dass nur die richtige Taktik zum Erfolg führt, und eine
„wilde“ Schaumabgabe auf den Brand keinen Löscherfolg erwarten
lässt. Außerdem konnte die Wirkung von AFFF-Schaummitteln im
Gegensatz zu herkömmlichen MBS herausgestellt werden. Es
gibt kaum eine Feuerwehr, zu der ich so gerne komme, wie zur FF
Korntal. Die freundliche Aufnahme dort, die begeisterte, lernwillige
Atmosphäre und die professionelle Arbeit dort ist etwas ganz
besonderes. Wir konnten wieder neue Ideen mitnehmen, die wir auch in
unsere Standortausbildung mit einfließen lassen werden.
Der
Ausbildungstag war vollgepackt mit komprimiertem Wissen. Eigentlich
war ich ja eingeladen um Kritik zu üben und Verbesserungsvorschläge
zu bringen. Ich muss sagen: bis auf Kleinigkeiten gibt es nichts zu
verbessern. Höchstens, aber das ist bei guten Ausbildungen wohl
immer so, dass der Tag viel zu kurz war. Wenn die Ausbilderkapazität
es hergibt könnte man den Stoff auch locker auf zwei Tage verteilen,
Lehrinhalte genug sind vorhanden. Ansonsten stellt die vorgestellte
Ausbildung für die Fragestellung „Was muss der Mann am Rohr
wissen?“ derzeit das Optimum dessen dar, was man ohne
feststoffbefeuerten Container ausbilden kann. Was fehlte war der
Bereich der Gasbrände (ich erinnere mich an die Station
Gaszählerbrand vor einigen Jahren in Korntal), aber dies hätte den
Zeitrahmen vollends gesprengt. Alles in allem eine gelungene
Veranstaltung mit dem die Grundlagen der Brandbekämpfung für
jedermann praktisch erlebbar wurden. Statt also Kritik zu üben
bleibt mir nur den Hut zu ziehen vor dem was im Landkreis Ludwigsburg
an echter Ausbildung geleistet wird und mich bei den Ausbildern und
vor allem bei den Gastgebern aus Korntal für einen lehrreichen Tag
bei guten Freunden zu bedanken! Markus Weber
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