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16.11.2006
Eklat - Feuerwehrabteilung Bleichstetten quittiert nach Ablehnung des Wunschfahrzeugs geschlossen den Dienst [update]
10.11.2006: ST. JOHANN. Das »aufgemotzte« Auto, wie es Bürgermeister Eberhard Wolf flapsig formulierte, gab es nicht. Kaum stand das Votum des St. Johanner Gemeinderats mit neun Ja- zu fünf Neinstimmen bei einer Enthaltung für die Beschaffung der einfachen Variante des so genannten TSF-W, eines neuen Fahrzeuges, für die Feuerwehrabteilung Bleichstetten fest, standen die Bleichstettener Floriansjünger in ihren knallroten Sweatshirts auf, marschierten einer nach dem anderen nach vorne und legten Bürgermeister Wolf ihre vorbereiteten Kündigungen auf den Tisch. Bleichstetten hat damit keine Freiwillige Feuerwehr mehr. Für einen Moment herrschte am späten Mittwochabend konsterniertes Schweigen im Saal des Upfinger Dorfgemeinschaftshauses.
Zu einer Stellungnahme war Gesamtfeuerwehrkommandant Walter Ochs anschließend nicht zu haben. »Ich habe jetzt Wichtigeres zu tun«, sagte Ochs im Rausgehen und zog sich um 22.30 Uhr mit den verbliebenen Feuerwehrleuten zurück, um einen Krisenplan zu erstellen.
»Haben den Brandschutz für Bleichstetten sicher gestellt«
»Wir haben das in der Nacht noch geregelt«, erklärte Ochs gestern Morgen auf Anfrage unserer Zeitung. »Wir haben den Brandschutz für Bleichstetten sicher gestellt. Das ist unsere Pflicht. Das sind wir unseren Bürgern schuldig«. 109 Männer der verbliebenen fünf Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr St. Johann machen den Bereitschaftsdienst für die 26-köpfige Abteilung Bleichstetten mit, die aus Verärgerung über eine Mehrheitsentscheidung im Feuerwehrhauptausschuss den Dienst quittiert hat. Das Defilée der rotgekleideten Truppe mit den Kündigungsschreiben in der Hand hatte etwas von der Trotzreaktion von Kleinkindern.
Es könne nicht sein, führte Walter Ochs weiter aus, dass auf eine Mehrheitsentscheidung des Feuerwehrhauptausschusses derartig reagiert werde. Der Feuerwehrhauptausschuss, der die Entscheidung für die kleinere Ausführung des Tragkraftspritzenfahrzeugs mit Wasser (TSF-W), also mit Löschwassertank, getroffen hatte, besteht aus je zwei Vertretern der sechs St. Johanner Abteilungen, dem Gesamtkommandanten und je einem Vertreter der Jugendfeuerwehr und der Altersabteilung. Laut Bürgermeister Wolf sei die Entscheidung mit 13 Ja- zu zwei Neinstimmen für die kleinere Variante gefallen, das ein 36 Jahre altes LF 8 ersetzt. »Das TSF-W passt in unser Konzept«, hatte Ochs mehrfach betont.
Dieses moderne Fahrzeug ist das kleinste in Deutschland genormte Feuerwehrfahrzeug mit Löschwassertank, das über eine feuerwehrtechnische Beladung für eine Gruppe und eine tragbare Pumpe verfügt. Zudem sei es besonders bei kleinen Freiwilligen Feuerwehren verbreitet und ist daher für Ochs völlig ausreichend, da der Tank einen schnelleren Angriff, besonders bei kleineren Bränden ermöglicht. In St. Johann sei jede Abteilung so ausgerüstet, dass sie selbstständig ausrücken kann. Ochs weiter: »Wir sind eine Feuerwehr St. Johann. Bei Bränden, die größer sind als ein Mülleimerbrand, werden sowieso alle alarmiert«.
Die Feuerwehrabteilung Bleichstetten hatte die größere Fahrzeugvariante favorisiert, bei der die Atemschutzgeräte im Mannschaftsraum Platz finden und das Platz für eine weitere Spritze bietet. Allerdings entspräche dieses Fahrzeug nicht der Norm. Die St. Johanner hätten dafür eine Ausnahmegenehmigung beim Innenministerium beantragen müssen. Teurer wäre es auch gekommen. Siegfried Unruh stellte rund 30 000 Euro Mehrkosten in den Raum, bei geschätzten Anschaffungskosten in Höhe von 120 000 bis 130 000 Euro für die einfache Ausführung.
»Ich bin von der Reaktion völlig überrascht und kann das auch nicht nachvollziehen«, erklärte Bürgermeister Eberhard Wolf. Es gäbe keinen sachlichen Grund, so auf eine Mehrheitsentscheidung zu reagieren. Das beschlossene Fahrzeug sei funktionell ausreichend. »Das andere ist halt der Wunsch, hier geht's aber um Notwendigkeiten.«
Frank Müller, der gewesene Kommandant der Feuerwehr in Bleichstetten wollte sich nicht dazu äußern, dass die gesamte Abteilung ihren Dienst quittiert hatte. Müller: »Der Kommandant kennt die Beweggründe.«
»Ich finde das bedauerlich«, sagte Ortsvorsteher Ernst Holder. »Ich empfinde das als großen Vertrauensbruch den Bleichstettenern gegenüber. Man kann doch nicht einfach den Bettel hinschmeißen, weil einem eine Entscheidung nicht in den Kram passt.«
Beinahe bedeutungslos wurde über diesen Eklat der Antrag der Offenen Bürgerliste, die Beschaffung des Feuerwehrfahrzeuges zurückzustellen, um zuvor die Feuerwehrkonzeption für St. Johann neu zu überdenken. Seit Jahren fordert die OBL, das Abteilungssystem zugunsten zweier Stützpunktfeuerwehren in St. Johann aufzugeben, angesichts immenser Anschaffungs- und Unterhaltungskosten des Feuerwehrwesens für die Gemeinde. Der Gemeinderat lehnte diesen Antrag mit sieben Ja- zu sieben Neinstimmen bei einer Enthaltung ab.
JULIE-SABINE GEIGER
Übernahme in die News auf www.FEUERWEHR.de mit freundlicher Genehmigung des Reutlinger Generalanzeigers
Am 16.11.2006 erhielt die Redaktion von www.FEUERWEHR.de folgendes Dokument:
Gegendarstellung der ehemaligen Mitglieder der Feuerwehr St. Johann Abteilung Bleichstetten [PDF]

Dazu auch die Diskussion im Feuerwehr-Forum:
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