Beben in Japan: Tsunami bedroht den Pazifik


Epizentrum des Bebens: Rund 400 Kilometer
nördlich der Hauptstadt Tokio (Bild: GFZ)
Zehn Meter-Flutwelle in Japan, Amerikas Küste bangt noch

Der Tsunami, den das heutige Erdbeben vor der Nordwestküste der japanischen Insel Honshu ausgelöst hat, ist noch bis Samstagmorgen mitteleuropäischer Zeit über dem Pazifik unterwegs. Das berichtet Heiko Woith vom GeoForschungsZentrum Potsdam http://www.gfz-potsdam.de gegenüber pressetext. Das Beben der Stärke 8,9 auf der Richter-Skala um 14:45 Uhr japanischer Ortszeit (6:45 Uhr MEZ) führte schon bisher in Japan zu einer bis zu zehn Meter hohen Flutwelle mit verheerenden Schäden, zu Erdrutschen und Bränden mit Todesopfern in bisher noch ungeahnter Höhe.

Pazifik drückt gegen Japan

"Ein Beben dieser Stärke gab es in Japan das letzte Mal vor 180 Jahren", so Woith. Die pazifische Platte wurde nun wie auch damals unter die japanische subduziert. "Der Pazifik bewegt sich mit neun Zentimetern jährlich auf Japan zu und erzeugt eine Spannung, die sich erst in Beben abbaut. Beim aktuellen Ereignis dürften einige Meter auf einer Bruchlinie von bis zu 600 Kilometern abgebrochen sein."

Vergleichbar mit Sumatra 2004

Die Höhe der Flutwelle legen Vergleiche zur Tsunami-Katastrophe 2004 im indischen Ozean nahe. "Die auslösende Erdbebenstärke war jedenfalls von derselben Preisklasse wie 2004", erklärt der Experte. Auch damals blieb für Tsunami-Warnungen in einigen Küstengebiete Sumatras aufgrund der Nähe zum Epizentrum kaum Zeit.

Anders als Sumatra verfügt das japanische Tsunami-Frühwarnsystem freilich schon länger über ein sehr dichtes seismologisches Netz. "Die Behörden orten innerhalb von drei Minuten jedes Beben und warten Wellendaten von Bojen nicht ab, sondern prüfen sofort, ob es in der Region bereits früher Tsunami-auslösende Beben gab. Die davon jeweils betroffenen Küstenabschnitte werden in die Warnung einbezogen." Für nahe gelegene Regionen sei allerdings selbst die dreiminütige Vorlaufzeit schon lange.

Tsunami rast Richtung Amerika

Der Tsunami lieferte in Japan Berichten zufolge bis zu zehn Meter hohe Wellen. Welche Auswirkungen er weiter nehmen wird, kann man laut Woith jedoch noch nicht abschätzen, da sich das Problem nicht auf Japan beschränkt. "Derzeit rast die Flutwelle mit 800 Stundenkilometer auf dem Pazifik in Richtung der Westküste Nord- und Südamerikas. Sie ragt dabei nur einen Meter aus dem offenen Meer, wird aufgrund der Tiefe jedoch selbst durch die großen Distanzen nicht abgeschwächt."

Sobald die vom Beben ausgelöste Flutwelle bei seichteren Stellen abgebremst wird, kann sie durchaus hoch aufsteigen und Schäden anrichten. "In Alaska, wo die Welle bereits ankam, war das mit einer Wellenhöhe von nur 40 Zentimetern nicht der Fall. Entscheidend für die Wirkung beim Auftreffen ist jedoch allein die Beschaffenheit des Bodens", so Woith. Kalifornien wird die Tsunami-Welle um etwa 10 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) erreichen, Südamerika teilweise erst bis zu elf Stunden später.

11.03.2011

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