13.08.2018 16:25

Hamburg Moorburg

Hamburg

Zeitintensive aber erfolgreiche Entschärfung einer Weltkriegsbombe durch den Kampfmittelräumdienst

Am vergangenen Montag wurde von einem Maschinenführer bei Ausbaggerarbeiten des Hafenbeckens im Aushub ein Gegenstand entdeckt, der einer Weltkriegsbombe sehr stark ähnelte. Dieser versank unmittelbar nach der Entladung aus der Baggerschaufel auf einer Schute etwa zwei Meter tief im Schlick. Die über den Notruf 112 informierte Rettungsleitstelle der Feuerwehr Hamburg alarmierte daraufhin ein Expertenteam des Kampfmittelräumdienstes der Feuerwehr Hamburg zum Fundort im Seehafen 4. Da bis zur zweifelsfreien Identifikation des Fundstückes von einem Blindgänger ausgegangen werden musste und ein Verholen des Schutenverbandes, der aus einem Arbeitsponton mit Bagger und zwei Schuten bestand, aus dem Seehafen 4 nicht möglich war, musste die Schute von den Beamten des Kampfmittelräumdienstes vor Ort sukzessive entladen werden. Hierzu wurde zunächst ein Teil der Ladung mit einem Bagger entladen und dann Wasser hinzugeführt, damit Taucher nach dem Gegenstand im Schlick suchen konnten. Nachdem eine Lokalisation zunächst nicht gelang, wurde im weiteren Verlauf weiteres Wasser hinzugeführt um anschließend das verdünnte Schlammgemisch mit Spezialpumpen komplett entladen zu können. Dieser sehr aufwendige und nicht ungefährliche Prozess zog sich über insgesamt drei Tage.

Am gestrigen Donnerstagmittag konnte nach der vollständigen Entladung des gesamten Schuteninhaltes dann durch den Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes eine 500 lbs. englische Fliegerbombe mit einem mechanischen Heckaufschlagzünder vom Typ Nr. 30 identifiziert werden. In einer sofort einberufenen Lagebesprechung entschied die Einsatzleitung, dass eine Entschärfung vor Ort aufgrund der dort ansässigen Mineralölverarbeitenden Industrie nicht in Frage komme, sondern diese in einem unbesiedelten Bereich, nahe eines Sportboothafens bei Neuland, durchgeführt werden soll. Hierzu wurde der Sprengkörper zunächst entladen und dann an Luftkissen gesichert, etwa fünf Meter unterhalb der Wasseroberfläche, von einem speziellen Kleinboot der Feuerwehr, begleitet durch ein Löschboot, durch den Hafen elbaufwärts gezogen. Für den Zeitraum der Arbeiten wurde in den jeweiligen Bereichen ein Warnradius von 500 Metern, ein Sperrradius von 300 Metern, eine Sperrung des Luftraumes bis in eine Höhe von 1000 Metern und luftschutzmäßiges Verhalten festgelegt. Zusätzlich schützten zwei Löschzüge der Feuerwehr Hamburg mit diversen Sonderfahrzeugen und Speziallöschmitteln sowie die Werkfeuerwehren der ortsansässigen Betriebe während der Arbeiten im Seehafen 4 die Raffinerieanlage und Betriebe. Während des Transportes über die Süderelbe kam es zu zeitweisen Sperrungen des Schiffs-, Bahn- und Individualverkehrs.

Im weiteren Verlauf fand circa 600 Meter östlich der Bundesautobahn A 1 im Elbstrom auf einem Löschboot der Feuerwehr Hamburg die Entschärfung statt. Anschließend wurde der sogenannte Detonator des demontierten Zünders vor Ort unter Wasser gesprengt und die Bombe durch den Kampfmittelräumdienst in Begleitung der Polizei zur Entsorgung abtransportiert.

Die Feuerwehr Hamburg war für diesen sehr zeit- und personalintensiven Einsatz über einen Zeitraum von vier Tagen in Spitzenzeiten mit bis zu 75 Einsatzkräften von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst im Einsatz. Er zählt zu den bislang längsten und aufwendigsten Entschärfungseinsätzen von Blindgängern aus den letzten beiden Weltkriegen.

Neben den Beamten des Kampfmittelräumdienstes mit diversen Sonderfahrzeugen waren zwei Führungsdienste (A- u. B-Dienst), zwei Löschboote, zwei Löschgruppen, die Freiwilligen Feuerwehren - Harburg-Fernmelde, Eißendorf-Versorgung, Kirchdorf, Finkenwerder, Moorwerder und Warwisch, - drei Bereichsführer FF, die Spezialeinsatzgruppe Tauchen, der diensthabende Pressesprecher, ein Befehlswagen, der Umweltdienst, ein Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie vier Wechselladefahrzeuge mit zwei Abrollbehältern Schaummittel, einem Abrollbehälter Löschpulver und einem Abrollbehälter für Gefahrstoffeinsätze vor Ort im Einsatz.

Feuerwehr Hamburg


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