22.03.2020 08:00

Otterberg Kaiserslautern

Rheinland-Pfalz

Brand eines Industriebetriebs

Am Donnerstagnachmittag, 26. März, endete um 16:15 Uhr nach 101 Stunden der Einsatz auf dem Gelände eines Industriebetriebs in der Ringstraße. Zwei Werkshallen brannten nieder. 6500 Quadratmeter groß war die Brandfläche, das etwa der Größe eines Fußballfelds entspricht. Die Feuerwehr wurde am Sonntag um 11:18 Uhr zum ersten Mal alarmiert. Über 150 Einsatzkräfte aus der Region waren vor Ort. Bürgermeister Harald Westrich schätzte nach Rücksprache mit der Firmenleitung den Schaden auf über 30 Millionen Euro.

„Die Löscharbeiten waren extrem schwierig, weil die Vliesballen soweit im Innern der Halle lagen, dass die Wasserwurfweite der Strahlrohre sie nicht erreichten. Zum Zweiten sind sie ein Stück durchgeglühte Kohle. Man kann zwar die äußere Schicht ablöschen, die heiße Glut im Innern bleibt erhalten,“ sagte Westrich.

Die Ereignisse am Sonntag

Aufgrund der extremen Hitze in dem Lager (800 bis 1000 Grad) war es nicht möglich, in das Gebäude zu gelangen, sodass die Feuerwehr mit Unterstützung von mehreren Drehleitern das Feuer von außen bekämpfen musste. Zum Teil wurden mehr als 5000 Liter pro Minute an Löschwasser über die Werfer abgegeben.

Am Nachmittag stürzte die Hallendecke ein und die massiven Betonwände bogen sich nach außen, sodass akute Einsturzgefahr drohte. Über das Dach übersprang das Feuer einen Brandabschnitt und gelangte in eine weitere Halle.

Über andere Hallenteile näherten sich die Feuerwehrleute einer Brandwand, hinter der das Feuer mit großer Hitze tobte. Ein Abschnittsleiter erklärte, dass er noch nie gesehen habe, dass sich ein massives Stahltor unter der Hitze so verbogen habe. Um 20 Uhr gab es eine erste Erfolgsmeldung. Der Feuerwehr war es gelungen ein weiteres Überspringen des Feuers zu verhindern. Ca. 30 bis 40 Prozent der Firma waren bis zum Abend niedergebrannt.

Aufgrund der Brandausbreitung wurde ein Löschangriff von der Blumenstraße aus notwendig. Problem: Die Gemeindestraße wird derzeit ausgebaut. Ein Bagger stand in der Baustelle. Daher wurde die Baufirma verständigt, die mit mehreren Mitarbeitern vor Ort erschien. Mit dem Bagger wurde die Straße für die Einsatzfahrzeuge passierbar gemacht. Weitere Baufahrzeuge und -material wurden umgesetzt, damit zwei Aufstellflächen für die Hubrettungsfahrzeuge vorhanden waren.

Erste Warnhinweise an die Bevölkerung, Fenster und Türen zu schließen sowie Klimaanlagen abzuschalten, wurden über die Website und Social-Media-Kanäle der Feuerwehr sowie über die WarnApp NINA verbreitet. Der Warnbereich wird später sogar auf das Stadtgebiet Kaiserslauterns ausgedehnt. Weiter werden einsatzbedingt umliegende Straßen und Wege gesperrt.

Mit Drohen, darunter des Landkreises Kaiserslautern, wurden Luftaufnahmen gemacht. Sie dienten der Einsatzleitung bei der Entscheidungsfindung. Auch während der folgenden Tage wurde ein bis zwei Mal pro Tag mit einer privaten Drohne die Lage aus der Vogelperspektive in Augenschein genommen.

Am Montagvormittag baute ein Abrissunternehmen den Bagger auf. Damit wurden die Wände, eingestürzten Decken und andere Gebäudeteile entfernt, um an das brennende Material zu gelangen. Aufgrund dieser Löscharbeiten nahm die Rauchentwicklung wieder zu. Daher blieben die Warnungen an die Bevölkerung bestehen.

Die Abrissarbeiten ruhten über die Nacht, weil aufgrund der Dunkelheit die Gefahr eines Unfalls erhöht war. Jedoch gingen die Löscharbeiten weiter. Bereits in der ersten Nacht hatte Frost dafür gesorgt, dass Löschwasser gefror und sich Eisflächen bildeten. Mit Salz wurden die vereisten Stellen abgestreut.

Das Feuer war bereits unter Kontrolle, aber es bestanden im Lager der Vliesstoffe (Ausgangsstelle des Brandes) immer noch Brandnester. Da die Feuerwehr wegen Einsturzgefahr nicht an die noch vorhandenen Brandherde gelangen konnte, mussten die noch stehenden Hallenteile eingerissen werden.

Damit möglichst wenig Schadstoffe in die Luft gelangt, wurde mit einem Wassernebel der Staub niedergeschlagen.

Dienstagabend: Feuer aus!

Am Dienstagabend hieß es „Feuer aus“, jedoch liefen die Nachlöscharbeiten weiter. Ein Schichtdienst wurde an diesem Tag eingerichtet, um die Brandbekämpfung rund um die Uhr zu ermöglichen.

Mittwoch: THW baut Bypassleitung auf

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch rückte das Technische Hilfswerk (THW) an. Die Helferinnen und Helfer der Ortsverbände Frankenthal und Speyer legten eine Schlauchleitung um das Betriebsgelände. Wasser wurde in der Ringstraße aus dem Grafenthaler Bach herausgepumpt und lief an der Stadthalle in den Otterbach. Das nachfließende Bachwasser wurde also durch die Bypassleitung an dem Brandobjekt vorbeigeleitet.

Der Bachbereich, der unter anderem unter dem Industriebetrieb verläuft, diente der Löschwasserrückhaltung. In der Ringstraße hatte man den Kanaleingang mit einer Blase verschlossen. Kurz vor der Einmündung an der Stadthalle hatten die Einsatzkräfte aus Sandsäcken und Planen eine Staumauer errichtet. Zum einen wurde das Wasser zum Löschen benutzt und zum anderen wurde es bereits mit Saugfahrzeugen in ein Sammelbecken transportiert. Damit soll eine Kontamination des Gewässers verhindert werden. Es wird entsorgt.

Der Ortsverband Hauenstein brachte Kraftstoff zur Einsatzstelle. Maximal 5000 Liter pro Minute kann die spezielle Pumpe des THW fördern.

In der dritten Halle wurden die Nachlöscharbeiten fortgesetzt. Der Abrissbagger unterstützte diese Arbeiten.

Am Donnerstag hatte man noch den Bachlauf mit frischem Wasser gespült, um ihn von Resten des Löschwassers zu beseitigen. Am Freitag kamen erste Messwerte über die Belastungen des im Bachlauf verbliebenen Löschwassers. Die Werte waren unbedenklich, sodass zwar das letzte Wasser zur Sicherheit abgepumpt wurde. Der Bach kann wieder frei fließen, der Beipass wird zurückgebaut und die Straßensperrungen werden aufgehoben.

Fast vierfacher Wassermehrverbrauch innerhalb von drei Tagen

Laut Angaben des Wasserwerks wurden aus dem Trinkwassernetz in Otterberg zwischen Sonntag, 22. März, und Dienstag, 24. März, insgesamt 4640 Kubikmeter mehr Wasser als üblich entnommen. Der durchschnittliche Tagesverbrauch liegt bei rund 1200 Kubikmeter. Aufgrund der Löscharbeiten wurde innerhalb von drei Tagen das fast Vierfache an Wasser verbraucht. Außerdem brachte die Feuerwehr auch Löschwasser aus Otterbach im Pendelverkehr zur Einsatzstelle. Aus zwei Bächen wurde Wasser zu löschen entnommen. Mit diesen beiden Maßnahmen wurde das Trinkwassernetz in Otterberg entlastet.

Während des laufenden Einsatzes gab es insgesamt mehr als 17000 Zugriffe auf den Bericht, den die Feuerwehr auf der eigenen Website eingestellt hatte. Mit aktuellen Informationen und Bildern wurde er insgesamt 13-mal aktualisiert.

Verletzter Feuerwehrmann kommt ins Krankenhaus

Ein Feuerwehrmann zog sich durch einen Sturz eine Kopfplatzwunde zu. Der Rettungsdienst brachte den Verletzten nach einer Erstversorgung in ein Krankenhaus.

Geschichte

Die Anfänge der Otterberger Textilindustrie reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Zwischen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahren wurden die letzten großen Hallen auf dem Gelände errichtet. Am 17. April 1997 und den Folgetagen löschten die Feuerwehren aus der Region ein brennendes Gebäude auf dem Werksgelände. Es wurde danach abgerissen. Seit Anfang der 2000-Jahre ist das heutige Unternehmen, ein Automobilzulieferer, an dem Standort tätig.

Danke

„Im Namen der Wehrleitung bedanke ich mich bei allen Einsatzkräften, die uns vor Ort unterstützt haben,“ sagte Wehrleiter Matthias Apfelbeck.

Danke auch an den Kiosk Lenz, den Penny-Markt und viele andere Spender, die die Einsatzkräfte mit Essen und Getränken versorgt haben. Danke auch an alle beteiligten Behörden und Organisationen.

Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg


In der Ringstraße brennt seit Sonntagmorgen ein Industriebetrieb. Das Unternehmen stellt Autoteile her. Die Brandursache ist nicht geklärt. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen bestehen keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandlegung. Weil die Löscharbeiten zur Stunde andauern, konnte der Brandort von sachverständigen Ermittlern noch nicht untersucht werden. Dies kann voraussichtlich erst in den nächsten Tagen erfolgen. Verletzt wurde aktuell niemand. Als das Feuer ausbrach befanden sich mindestens drei Bedienstete in dem Produktionsgebäude. Sie brachten sich rechtzeitig in Sicherheit und alarmierten die Polizei. Der entstandene Schaden dürfte mehrere Millionen Euro betragen.

Polizeipräsidium Westpfalz

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